Responsive image

Hà Nôi Duo

Nguyên Lê, Ngô Hông Quang

ACT/Edel 1098282ACT
(59 Min., 4 - 8/2016)

Zweisaitige vietnamesische Geigen, Harfen und einsaitige Lauten, die japanische Wölbbrettzither Koto, indische Tablas, E-Gitarren, gestopfte Trompete und noch viel mehr – mit Verlaub, es klingt auf dem Papier wie ein bizarrer Ethno-Eintopf, was auf dieser vermeintlichen Duo-CD so alles zum Köcheln gebracht und miteinander verrührt wird.
Doch das akustische Geschmackserlebnis ist erstaunlich. Was zum einen daran liegt, dass der vietnamesisch-französische Gitarrist Nguyên Lê schon seit Jahrzehnten ein Spezialist in der Vermittlung zwischen den Welten des Jazzrock und den Klängen seiner asiatischen Ahnen ist. Zum anderen hat sich der 57-Jährige für sein neues Projekt, das auf Eigenkompositionen und den Bearbeitungen von Volksweisen aus dem vietnamesischen Hochland basiert, einen kongenialen Partner ins Boot für die Reise ins Mekongdelta geholt: den 24 Jahre jüngeren, in der Nähe von Hà Nôi geborenen Sänger und Multiinstrumentalisten Ngô Hông Quang.
Der spielt nicht nur eine Reihe von exotischen Instrumenten von Maultrommel bis Monocord mit einiger Virtuosität und beherrscht verschiedenste Stimmtechniken von Kehlkopfgesang bis hin zu aberwitzigen Intervallsprüngen perfekt, sondern absolvierte in Amsterdam auch ein Studium in zeitgenössischer Komposition.
Wohl auch deshalb klingt „Hà Nôi Duo“ nie nach Weltmusik von gestern. Lê und Quang unterlegen ihre Stücke teils mit druckvollen Schlagzeug-Loops oder lassen Paolo Fresus Trompete als Wiedergänger von Fusion-Gott Miles Davis auftreten („Cloud Chamber“, „The Graceful Sea“), sie liefern sich auf ihren jeweiligen Saiten-Instrumenten Blues-Duelle („Heaven's Gourd“) oder lassen Jimi Hendrix auf eine vietnamesische Fidel los („Chiec Khan Pieu“). Alles in allem ein höchst spannender Grenzgang zwischen Ost und West – und ein angemessener Auftakt für den Aufnahmereigen des Labels ACT zu seinem 25-jährigen Jubiläum.

Josef Engels, 21.01.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top