Natürlich funktioniert im Musikbetrieb vieles über Schienen und Schubladen. Sonst wäre er ja auch kein Betrieb. Man kann nicht immer Nachdenken, Fantasie haben, Risiken eingehen, sich auf ungewohntes Terrain begeben; man muss auch mal einfach nur in Kategorien einordnen können. Beim Autor findet sich unter der Aufschrift „sanfter, seelenvoller Countertenor“ in einem edel ausgepolsterten Kästchen gegenwärtig Valer Sabadus abgelegt. Der kann inzwischen auf gut 20 Veröffentlichungen zurückblicken, bunt gemischt zwischen den Stilen und Genres. Seit der 31-jährige Deutsch-Rumäne bei Sony verpflichtet ist, wird er freilich in stets ein wenig weltschmerzlich-preziöse, sehr elegante, bisweilen aber auch ein wenig anämische, an ihrer eigenen Zerbrechlichkeit fast fad werdende Projekte gesteckt. Nach dem Gluck-Programm „Le belle immagini“ folgten Arien mit obligaten Instrumenten des Wiener Hofkomponisten Antonio Caldara. Und nun ist Sabadus samt dem feinnervigen Kammerorchester Basel mit „Sacred Duets“ von Alessandro Scarlatti, Antonio Lotti, Antonio Caldara, Nicola Porpora und anderen am Start. Seine Partnerin ist die nach wie vor zauberisch innige Nuria Real; die hellen, fein lasierten Stimmen verschlingen und ergänzen sich auf das Feinste. Technisch makellos wird hier das reine Gefühl keusch und intensiv vokalisiert. Nicht alles sind Zwiegesänge, die von den Verbindungen und Unterschieden der Klangschulen von Bologna, Rom und Neapel künden, es gibt auch Solonummern sowie ein instrumentales Torelli-Concerto. Auf den Perlenschnüren scheinbar endloser Melodien fädeln sich so diverse Arien-Kostbarkeiten auf. Doch ein wenig nivelliert sich dadurch auch das Affektespektrum aus immerhin sieben Jahrzehnten italienischer Oratorientradition ab 1670.

Matthias Siehler, 28.01.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zugegeben: Letzte Woche haben wir mit unserer CD-Empfehlung ganz schöne Hör-Kalorien aufgetischt. Dagegen wirkt das a-capella-Album deutscher Adventslieder von Schwesternhochfünf wie ein Spaziergang im Winterwald: klar, kühl, konzentriert. Die Stimmen beginnen im Einklang wie ein Schwesternkonvent der Hildegard-von-Bingen-Zeit, doch schon, wenn beim Arrangement von „Maria durch ein Dornwald ging“ hörbar ein Geflecht aus Sekunden und Reibungen zu flirren beginnt, zeigt das Album, was in […] mehr »


Top