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Antonín Dvořák

Klaviertrios opp. 90 & 65

Trio Wanderer

harmonia mundi HMM 902248
(65 Min., 1/2016)

Gedankenversunken tragen die beiden Streicher eine kleine, weltabgewandte Melodie vor. Doch schon nach wenigen Takten ist die Intimität vorbei, werden die Saiteninstrumente vom Klavier regelrecht zurück ins Leben gezwungen. Stürmisch herb, leidenschaftlich, dramatisch und schwermütig – so geht es auch weiterhin in diesem großangelegten Eröffnungssatz von Antonín Dvořáks Klaviertrio f-Moll op. 65 zu. Und selbst wenn dieser Stimmungsbogen sich erst im Finalsatz zu entspannen scheint, über die Rhythmen eines böhmischen „Furiant“-Volkstanzes, bleibt man mittendrin in einer Klangwelt, die so gar nichts mit dem Klischee vom Nationalkomponisten Dvořák zu tun hat. Vielmehr gibt es unter seinen vier Klaviertrios wohl kein zweites Werk, in dem Dvořák so umfangreich auf den Spuren seines Mentors Brahms gewandelt ist.
Im letzten Jahr erst schloss das französische Trio Wanderer seine Gesamteinspielung aller Brahms-Klaviertrios ab. Und der musikalische Staffelstab könnte für das Nachfolge-Album mit Dvořáks f-Moll-Trio nicht besser gewählt sein. Zumal die drei Musiker eben wie schon bei Brahms jetzt mit einer Emphase, Expressivität sowie konzertanten Bravour zu Werke gehen, wie man es sich nicht idealer vorstellen kann. Das zweite Stück, das sogenannte „Dumky“-Trio op. 90, das Dvořák 1890/91 komponierte, sprengt mit seinen insgesamt sechs Sätzen nicht nur die klassische Form. Mit herrlich ansteckendem Elan verwandelt das Trio Wanderer das Eröffnungs-Allegro trotz so mancher nachsinnender Momente direkt in eine Caféhaus-Sause. Dass die Monsieurs vom Trio Wanderer aber nicht allein Temperament im Blut haben, sondern sich auf das Lyrische mit all seinen geheimnisvollen halbdunklen Farbnuancen genauso verstehen wie auf das explosiv Dramatische, beweist man hier auf erwartungsgemäß auch spieltechnisch allerhöchstem Niveau.

Guido Fischer, 04.02.2017



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