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Johannes Brahms, Arnold Schönberg

Streichquartette, Lieder

Kuss Quartett, Mojca Erdmann

Onyx/Note 1 ONYX4166
(73 Min., 1 & 10/2015)

Johannes Brahms und Arnold Schönberg – über diese Titanen-Beziehung ist schon viel geschrieben worden. In seinem berühmten Aufsatz „Brahms The Progressive“ hatte Schönberg selber noch einmal die Rolle des Norddeutschen für die Moderne herausgearbeitet. Nun hat das Kuss Quartett zusammen mit Gaststar Mojca Erdmann die Quartett- und Liederkomponisten Brahms und Schönberg miteinander kombiniert. So eine Gegenüberstellung ist natürlich nicht neu. Daher kommt es hier nur darauf an, was die Musiker daraus machen. Zum Glück lassen sie ausschließlich die Werke sprechen und umschiffen damit jede Debatte darüber, wo Brahms in seinem 3. Streichquartett eine Steilvorlage für Schönbergs 2. Streichquartett geliefert haben könnte.
So wohltuend dieser Zugang ist, so kann das Kuss Quartett bereits bei Brahms zeigen, wie einem der Reichtum dieser Musik in Herz und Blut übergegangen ist. Impulsiv und schwungvoll, erlesen schwärmerisch und selbst im Grüblerischen ungemein nuancenreich bewegen sich die vier Musiker in dieser durch und durch romantischen, aber eben nie von Pathos oder gar späterem Fin de Siècle-Sound aufgedunsenen Klangwelt. Auch in dem die Musik umwälzenden Streichquartett Nr. 2, mit dem Schönberg 1908 das Wiener Publikum an den Rand des Wahnsinns gebracht haben muss, trifft man genau jeden Ton. Mal kostet das Kuss Quartett das gar nicht nur brüchige Melos aus. Dann wieder macht man das Fahrige und Flüchtige dieses Wegweisers in die Moderne hochkonzentriert und zugleich mit großem Atem deutlich. Wobei man in den beiden Vokalsätzen mit Sopranistin Mojca Erdmann eine Partnerin ausgewählt hat, die das Fiebrige dieser Musik eindringlich und doch verlockend tonschön ausbreitet. Wie gut, dass bei der Aufnahme noch Platz für drei Brahms-Lieder war, die Igor Loboda für Sopran und Streichquartett eingerichtet hat.

Guido Fischer, 25.02.2017



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