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Franz Liszt

Totentanz, Mazeppa, Hunnenschlacht, Les préludes

Duo Tsuyuki & Rosenboom

Odradek/In-Akustik 028329
(64 Min., 2 & 3/2016)

Unter den bedeutendsten Komponisten hatte Franz Liszt ohne Frage den größten grünen Daumen. Schon fast besessen war er von der von ihm erfundenen Kunst der Transkription. Und diese Art musikalischen Recyclings lebte er nicht nur etwa bei Sinfonien von Beethoven aus. Auch eigene Orchesterstücke richtete er für Klavier ein. Wenig bekannt ist aber, dass Liszt nicht nur für zwei, sondern auch gerne schon mal für vier Hände arrangierte. Wie im Fall der Sinfonischen Dichtungen „Mazeppa“, „Hunnenschlacht“ und „Les préludes“, mit denen das deutsch-japanische Klavierduo Chie Tsuyuki & Michael Rosenboom auf seiner Debüt-CD eine diskografische Repertoire-Lücke schließt. Wohl war das Klavierdoppel zudem von den sich in den Klaviertasten plötzlich auftürmenden Klangwelten derart begeistert, dass es die Einspielung mit einer eigenen Liszt-Transkription komplettierte. Ausgesucht hat man sich dafür die „Dies Irae“-Paraphrase „Totentanz“. Und was die „klassischen“ Register des vierhändigen Klavierspiels angeht, gehen die beiden Musiker bravourös und effektvoll in die Vollen. Da es sich aber um eine moderne Annäherung handelt, kommt es hier und da immer wieder zu dezenten, aber wirkungsvollen Verfärbungen und Eingriffen. Gewaltiges Pochen, Tosen und Scheppern entlocken sie dem Inneren des Flügelns. Und auch über die Saiten wird schon mal burlesk gekratzt. Eine begeisternde Einspielung.

Guido Fischer, 11.03.2017



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