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Sergei Rachmaninow

Klavierkonzerte Nr. 2 und Nr. 3

Khatia Buniatishvili, Tschechische Philharmonie, Paavo Järvi

Sony 88985402412
(71 Min., 11 & 12/2016)

Ups, nun hat sie es auch noch getan. Khatia Buniatishvili ist auf den gegenwärtig wieder gewaltig ratternden Rachmaninow-Rennwagen aufgesprungen und hat nach einer Tour durch die Musiklande das 2. und 3. Klavierkonzert eingespielt. Es ist übrigens erst die zweite Orchesteraufnahme der georgischen Tastenstürmerin. Die sich ausgerechnet bei diesen gern als brodelnde Schlachtrösser aufgezäumten Monumentalwerken erstaunlich schlank und zurückhaltend virtuos gibt. Vielleicht hat sie der stets auf Durchsichtigkeit und sachliche Helle bedachte Paavo Järvi am Pult der warm klingenden Tschechischen Philharmonie dazu angehalten? Was nicht heißen soll, dass die bald 30-Jährige sich zurückhält. Sie spielt nur etwas domestizierter, lässt ihre Energie in flüssig fließende Kanäle laufen. Das gibt dieser vielgescholtenen Musik eine Zartheit und Eleganz, die man bei so manch stampfendem Notenwalross vermisst. Ähnlich wie der sicher auch bald seine globalen Konzerterfahrungen mit diesem Komponisten in ein Speichermedium gießende Daniil Trifonov spielt sie sich in einen kontrollierten Rausch der sehr subtilen Sorte. Leicht melancholisch verschattet, wie es schon das CD-Cover mit ihr in Schwarzweiß hinter einem beschlagenen Fenster andeutet. In den Ecksätzen dieser beiden beliebtesten Rachmaninow-Konzerte entfacht Khatia Buniatishvili ein verhaltenes Technikfeuer, in den aufreizend fein und tastend genommenen Adagios möchte sie als Lyrikerin mit glitzerndem Anschlag ernstgenommen werden. Was gelingt. Komisch, man hat es schon bei den souverän genommenen Dezim-Intervallen der linken Hand in den acht Glockenschlagakkorden zum Auftakt des c-Moll-Werkes gespürt.

Matthias Siehler, 11.03.2017



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