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Béla Bartók, Ernst von Dohnányi, Zoltán Kodály

Hungarian Treasures (Klavierquartette)

Notos Quartett

RCA/Sony 88985411882
(63 Min., 2/2016)

Drei ungarische Komponisten und zeitweilige Weggefährten, deren Lebenswege und künstlerische Biografien sehr unterschiedlich verlaufen sind: Ernst von Dohnányi, der schon früh Zuspruch aus der Brahms-Ecke erhalten hatte, bestritt sein Leben als spätest-romantisch — eben recht brahmsisch — komponierender Klaviervirtuose. Bei ihm spielt ungarisches Volksgut nur insofern eine Rolle, als er es mehr oder weniger Kolorit-artig vollkommen in seinen Stil integrierte. Das war bei Bartók und Kodály bekanntermaßen ganz anders: Sie sammelten intensiv und mit großer Akribie die Volksmusik ihrer Heimat und ließen sich davon in ihrem Schaffen fundamental inspirieren. Am modernsten entwickelte sich der Stil von Bartók; anders als sein Freund Kodály ging er kriegsbedingt ins Exil nach Amerika, konnte dort aber nicht wirklich Fuß fassen. Er starb schon 1945 in New York, während Kodály bis 1967 in Budapest lebte.
So modern Bartók in seiner „reifen“ Zeit komponierte, so eindeutig — und das ist das überraschende an dieser CD — liegen seine Wurzeln jedoch in einer spätromantischen Stilistik, die derjenigen von Dohnányi in puncto brahmsischer Dramatik und effektvoller Leidenschaftlichkeit in Nichts nachsteht. Die Musiker des Notos Quartetts haben Bartóks frühes Klavierquartett, das nach nur zwei Aufführungen seit 1964 im Archiv schlummerte, ausgegraben und erweitern mit ihrer Darbietung das Bild, das wir von Bartók heute haben, maßgeblich. Zwischen Dohnányi und Bartók kommt auch Kodály zu Wort — mit einem reizenden kleinen Intermezzo für Streichtrio, das ebenfalls ein frühes Werk ist. So stehen wir mit diesem Programm gewissermaßen am Ausgangspunkt der erwähnten sehr unterschiedlichen Biografien der drei Meister — ein bewegender Gedanke. Die Musikerinnen (und der Musiker) des Notos Quartetts vermitteln uns diese Erfahrung eindringlich durch eine großartige Interpretation der drei Werke: Sowohl ihr Zusammenspiel als auch ihr jeweils eigenes Können erweisen sich als ausgefeilt und durchstrukturiert bis in die kleinsten Feinheiten. Großartige Augenblicke erleben wir vor allem in Passagen lyrischen Charakters, wenn im unteren Bereich der dynamischen Skala mit größter Zartheit bei gleichzeitiger voller Konzentration auf die Linienführung musiziert wird. Ein erstklassiges Ensemble, dem sicher eine erfüllte künstlerische Zukunft bevorsteht.

Michael Wersin, 08.04.2017



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