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Dimanche

Jeff Ludovicus

Believe/Soulfood KAM01
(51 Min., 11/2015-3/2016)

Der französische Schlagzeuger Jeff Ludovicus ist seit einem Vierteljahrhundert der Mann für alle Trommelfelle in der Pariser Szene. So spielte er unter anderem für China Moses, St. Germain oder die Afrosoul-Sängerin Asa. Für seine Plattenpremiere unter eigenem Namen hat sich Ludovicus viel Zeit gelassen — eine Dekade lang reifte sie nach eigenen Angaben in seinem Kopf, vier Jahre lang komponierte er gemeinsam mit Pianist Cédric Duchermann die Stücke.
Das behutsame, abwägende Arbeiten hat sich gelohnt: „Dimanche“ entpuppt sich als Sonntagsspaziergang durch einen Park mit vielen unterschiedlichen Gewächsen. Da blühen Soul und raunende Spoken-Word-Performances der eingeladenen Sängerinnen und Sänger neben organisch gewachsenen Schlingpflanzen diverser rhythmischer Provenienz, da schießen aus Blumenbeeten an Wayne Shorters 90er-Jahre-Aufnahme „High Life“ gemahnende Blüten hervor — und irgendwo in den Baumwipfeln singt ein Cello, eine Geige oder Sofi Hellborgs Sopransaxofon.
Ludovicus schafft es mit seinem unaufdringlichen, aber mit allen Wassern amerikanischer, europäischer, karibischer und afrikanischer Schlagzeugfinesse gewaschenen Spiel alles ganz frühlingshaft leicht klingen zu lassen. Wenn es dann zu gefällig oder gar zu kitschig zu werden droht, wie etwa in seinem Vaterfreudenlied „A Song for Loulou“, sorgen kleine Instrumentierungs-Überraschungen für die nötige Brechung. In dem fraglichen Song ist es beispielsweise ein unerwartetes Bassklarinetten-Röhren, in den anderen sind es Streicher, ein markanter E-Bass, Allusionen an den Hot Club de France oder Chanson-Andeutungen. Es gibt immer wieder etwas Neues zu sehen in Ludovicus Garten. Man lustwandelt dort gerne.

Josef Engels, 15.04.2017



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