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Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzerte Nr. 11-13 KV 413-415

Sigiswald Kuijken, La Petite Bande, Marie Kuijken, Veronica Kuijken

Challenge Classics/in-akustik 05711738
(75 Min., 5/2016)

„Die Concerten sind eben das Mittelding zwischen zu schwer und zu leicht – sind sehr Brillant – angenehm in den Ohren – Natürlich, ohne in das leere zu fallen – hie und da – Können auch Kenner allein satisfaction erhalten – doch so – daß die nichtkenner damit zufrieden seyn müssen, ohne zu wissen warum.“ Mit diesen Briefzeilen informierte am 28. Dezember 1782 Wolfgang Amadeus Mozart seinen Vater Leopold über Form und Gehalt dreier Klavierkonzerte, an denen er zum Teil noch arbeitete. Es waren die Konzerte KV 413-415, mit denen sich Mozart in seiner neuen künstlerischen Heimat Wien eine lohnende Einnahmequelle auf dem Gebiet der Instrumentalmusik erhoffte. Und um die Partituren dem breiten Publikum so schmackhaft wie möglich zu machen, bot er die Konzerte in zwei Fassungen an. Die Konzerte für Klavier und Orchester samt Bläserstimmen erfreuen sich bis heute im Konzertsaal und Aufnahmestudio größter Beliebtheit. Die zweite Version für die Kammermusikbesetzung „Klavier und Streichquartett“ fristet dagegen ein eher stiefmütterliches Dasein. Ob sich daran nach der jüngsten Aufnahme etwas ändern wird, die ganz in den Händen des legendären Kuijken-Clans liegt, bleibt abzuwarten. Denn nicht zwangsläufig muss es zu Aha-Effekten kommen, wenn sich Spezialisten der historischen Aufführungspraxis auch um solche Mozart-Raritäten bemühen.
Beim Klaviersolo-Part der drei Konzerte wechseln sich die beiden Töchter der Alte Musik-Legende Sigiswald Kuijken ab: Marie Kuijken hat das F-Dur-Konzert KV 413 und Schwester Veronica die Konzerte KV 414 & 415 übernommen. Beide spielen auf der durchaus mit kerniger Fülle und sanfter Wärme ausgestatteten Kopie eines Fortepianos aus der Werkstatt des von Mozart geschätzten Andreas Stein. Auf Streichquartett-Format wurde dagegen die ebenfalls auf historischen Instrumenten spielende La Petite Bande runtergedampft – wobei Sigiswald Kuijken sich aus Klangbalance-Gründen die Freiheit erlaubt hat, das Cello durch einen Kontrabass zu ersetzen. Natürlich spielen einem die eingefahrenen Hörgewohnheiten jetzt immer wieder einen Streich, etwa wenn man vergeblich auf die von Mozart so wunderbar geführten Bläserstimmen der Orchesterfassungen wartet. Dagegen wirkt das Streichergefüge auch im Geben und Nehmen mit dem Fortepiano bisweilen asthmatisch. Die Kuijken-Schwestern versuchen wenigstens, mit entsprechendem Brio und Schwung dagegenzuhalten. In den langsamen Sätzen tun sich zumindest kleine Klangwunderwelten auf – wenn Klavier und Streicher zu milden Gesprächen ansetzen, denen man so gespielt nur allzu gerne lauscht.

Guido Fischer, 22.04.2017



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