Responsive image
Joseph Haydn, Domenico Cimarosa

Il distratto (Sinfonien Nr. 12, 60 & 70; Il maestro di capella)

Giovanni Antonini, Il Giardino Armonico, Riccardo Novaro

Alpha/Note 1 ALP674
(80 Min., 3/2016)

Jede der ersten drei Veröffentlichungen, mit denen Giovanni Antonini und Il Giardino Armonico die Aufnahme sämtlicher Haydn-Sinfonien erfolgreich gestartet haben, entpuppte sich als kleine Wundertüte. Denn eingestreut wurde in die thematisch zusammengestellten Programme immer auch mal ein kaum bekanntes Werk eines Haydn-Zeitgenossen wie Gluck oder Wilhelm Friedemann Bach. Bei der vierten Folge, die den Titel „Il distratto“ trägt, ist es nun eine kleine Buffo-Einlage aus der Feder des von Haydn geschätzten Italieners Domenico Cimarosa. „Il maestro di capella“ lautet die lediglich in einer Fassung für Bariton und Klavier überlieferte Szene, in der ein Kapellmeister sich einzelne, renitente und undisziplinierte Orchestergruppen vorknöpft. Der Musikwissenschaftler Marco Brolli hat nun das Werk für die Haydn-Edition orchestriert. Und mit entsprechendem Schmelz schließt zum Schluss der Kapellmeister (und Bariton) Riccardo Novaro die Orchestermusiker dann doch noch halbwegs versöhnt in die Arme (dieser „Kapellmeister“ wäre auch eine Paraderolle für Tenor Rolando Villazón, der für jeden Klamauk zu haben ist). Was aber hat nun „Il maestro di capella“ etwa mit der titelliefernden Schauspielkomödie „Il distratto“ zu tun, für die Haydn die Musik geliefert hatte und die als seine Sinfonie Nr. 60 im Werkkatalog platziert wurde? Die Antwort folgt im Finalsatz – wenn nämlich das lospreschende Orchester unvermittelt auf die Bremse treten muss, da die Streicher unverschämterweise mal nachstimmen müssen. Im Gegensatz zu Cimarosa und seinem rund 20-minütigen „Kapellmeister“ dauert dieser Haydn-Gag nur wenige Sekunden. Doch auch damit bewies Haydn mal wieder treffsicher, dass Musik und Humor miteinander können. Giovanni Antonini und Il Giardino Armonico spielen aber auch in den beiden offiziellen Sinfonien Nr. 12 & 70 erneut alle Haydnschen Trumpfkarten aus – mal sportlich temperamentvoll, mal schnittig kühn und dann wieder einfach nur mit gesanglichem Zauber. Wie gut, dass die Gesamtaufnahme im Grunde erst angefangen hat. Viele weitere Haydn-Coups sind damit garantiert.

Guido Fischer, 29.04.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top