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Maurice Ravel

Daphnis et Chloé

Franҫois-Xavier Roth, Les Siècles, Ensemble Vocal Aedes

harmonia mundi HMM 905280
(55 Min., 2016)

Von Maurice Ravels „Daphnis et Chloé“ gibt es epochale Aufnahmen. Dazu gehören etwa die von Pierre Monteux und Stanisław Skrowaczewski. Und natürlich zählt Pierre Boulez‘ Einspielung dieser als „Choreografische Sinfonie“ bezeichneten Ballettmusik aus dem Jahr 1995 zu den bis heute gültigen. Über dreißig Jahre später legt der von Boulez geförderte Dirigent Franҫois-Xavier Roth nun die Gesamteinspielung von „Daphnis et Chloé“ im Rahmen einer diskografischen Würdigung der legendären „Ballets russes“ vor. Wieder hat Roth sein Originalklang-Orchester Les Siècles mit dabei – und für die Chorpartien das Ensemble Aedes. Und man möchte es eigentlich nicht glauben, dass der gesamte Orchesterapparat auf Instrumenten aus der Entstehungszeit des Balletts spielen soll. Denn alles duftet und blüht hier in den schönsten und bisweilen gesättigten Klangfarben. Zudem befindet sich alles in einem Dauerzustand der Poesie, Magie und Zartheit. Verlockender, verführerischer, sinnlicher kann man sich diese Musik selbst auf modernen Instrumenten gespielt nicht vorstellen. Das ist die eine Seite dieses Ravel-Wunders – wobei die andere natürlich untrennbar mit ihr verbunden ist. Denn Roth beherzigt bei aller Kulinarik eben auch jene von Boulez stets propagierte Clarté und die daraus folgende radikale Transparenz und Durchhörbarkeit auch solcher Partituren. Die feinsten dynamischen Abstufungen und harmonischen Nuancen offenbart man hier. Und während auch Boulez immer auf „kontrollierte Ekstase“ setzte, kann man sich an Les Siècles berauschen, ohne sich dabei seine Sinne eben komplett zu vernebeln. Igor Strawinski hat „Daphnis et Chloé“ einmal als eines „der schönsten Produkte in der gesamten französischen Musik“ bezeichnet. Seit Roth & Co. wissen wir endgültig: Es ist zudem eines der reichhaltigsten.

Guido Fischer, 06.05.2017



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