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Ludwig Thuille

Sonaten für Violine und Klavier

Elisabeth Eibensteiner, Marlies Nussbaumer

Musikmuseum/Note 1 MMCD13026
(51 Min., 4/2015)

Warum die Musikgeschichte über manche Komponistenpersönlichkeiten hinweggeht, während sie andere nachhaltig ins Zentrum stellt, ist häufig gar nicht so einfach nachzuvollziehen: Freilich, dem Strauss-Jugendfreund und -Briefpartner Ludwig Thuille, geboren 1861 in Bozen, war nur ein kurzes Leben beschieden; anders als Strauss „verpasste“ er beide Weltkriege, weil er schon 1907 verstarb. Andernfalls wäre es ihm wohl auch nicht erspart geblieben, sich spätestens in der Nazi-Zeit mit seiner Kunstauffassung zu positionieren, und dann würden wir sein Leben und Werk vielleicht heute noch ähnlich intensiv diskutieren wie dasjenige von Richard Strauss.
Wie jener war Thuille kein Neutöner, sondern ein „Spätromantiker“, was immer das auch bedeuten mag. Hierin liegt eventuell ein weiterer Grund für die langjährige Vergessenheit, in die er fiel – nicht einmal eine „Salome“ oder „Elektra“ zieren seinen Werkkatalog; sein Festhalten an der reiz- und effektvoll erweiterten Dreiklangsharmonik machte ihn für die Musikszene Nachkriegsdeutschlands gemeinsam mit vielen anderen seines Schlages quasi uninteressant.
Heute müssen uns solche Verdikte zum Glück nicht mehr stören und behindern: Es gibt keine „Hörverbote“ mehr, und so können wir die Glanzleistung dieser CD in vollen Zügen genießen. Elisabeth Eibensteiner und Marlies Nussbaumer stellen uns Thuilles Violinsonaten op. 1. und op. 30 vor. Eibensteiner tut dies mit kräftigem, geschmeidigem, aber auch anregend rauchigem Geigenton; Marlies Nussbaumer steuert virtuos-feinnerviges Klavier-Können bei, durch das sie sich ebenso zum Anwalt der Musik Thuilles macht wie durch ihren kompetenten Beihefttext. Eine großartige CD, die umfassendst Gehör finden möge.

Michael Wersin, 27.05.2017



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