Rezensionen der Woche

12. — 18.April 2014

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Klassik

Bernhard Lang

The Anatomy Of Disaster (Monadologie IX)

Arditti String Quartet

Winter & Winter/Edel 1002172WIN
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Carl Philipp Emanuel Bach

Sonaten für Violine und Cembalo Wq 76 & 78, Clavier-Fantasie mit Begleitung einer Violine fis-Moll H.536 u.a.

Leila Schayegh, Jörg Halubek

Pan Classics/Note 1 PC10305
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Carlo Gesualdo

Responsoria

La Compagnia del Madrigale

Glossa/Note 1 GCD922803
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David Chevallier

Dowland – A Game Of Mirrors

Anne Magouët, David Chevallier, Bruno Helstroffer

Carpe Diem/harmonia mundi CD 16203
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Ludwig van Beethoven

Sonaten für Violine und Klavier

Daishin Kashimoto, Konstantin Lifschitz

Warner Classics 2564634929
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Richard Wagner, Pierre-Louis Dietsch

Der fliegende Holländer, Le vaisseau fantôme

Evgeny Nikitin, Ingela Brimberg, Eric Cutler, Russell Braun, Sally Matthews, Bernard Richter u.a., Les Musiciens du Louvre Grenoble, Eesti Filharmoonia Kammerkoor, Marc Minkowski

naïve/Indigo 983972
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CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Wie ein Zündhölzchen wirkt, was 1712 der Hamburger Ratsherr und Kaufmannssohn Barthold Heinrich Brockes in Form seiner geistlichen Passionsdichtung in das kreative Pulverfass der Hamburger Gänsemarktoper wirft. "Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende JESUS", später nur noch griffiger "Brockes-Passion" genannt, trifft den Nerv der Zeit. Die Mischung aus drastischer Passionsschilderung (die den nüchternen Bibelbericht publikumswirksam mit gruseligen Details anreichert) und Arientexten (die das Geschehen theologisch sattelfest in Allegorien aufschlüsseln und leidenschaftlich Stellung zu den Vorgängen beziehen) wirkt wie eine Steilvorlage für die Musiker, die sich um Reinhard Keiser an der ersten deutschen Bürgeroper versammelt haben. Johann Mattheson macht daraus einen Kompositionswettbewerb und fordert auch Georg Philipp Telemann in Frankfurt und Georg Friedrich Händel in London auf, sich mit einem Oratorium auf Brockes' Text zu beteiligen und sich mit Keisers Version von 1712 zu messen. Auch Johann Sebastian Bach, der in Leipzig nicht nur geografisch, sondern auch theologisch sehr weit vom liberalen Hamburg entfernt lebte, bediente sich in seiner Johannes-Passion kräftig an den zündenden Sprachbildern des Hamburger Senators. Peter van Heyghen und seinem Ensemble Les Muffatti ist nun mit Reinhard Keisers Werk, sozusagen der Mutter aller Brockes-Passionen, eine interpretatorisch souveräne Aufnahme gelungen, die den Hörer anspringt und mit ihrem leidenschaftlichen Musizieren ins Geschehen zieht. Der Vergleich mit den späteren Versionen zeigt, welche starke Ausstrahlung der Bühnenmensch Keiser bis in Details der Melodiefindung und der Affektgestaltung auf den Stil der jungen Komponisten hatte, allen voran Georg Friedrich Händels.