Meine Platte

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in unserer Rubrik „Meine Platte“ haben Sie ab sofort wieder die Möglichkeit, Ihre Lieblingsaufnahmen vorzustellen. Egal ob Klassik oder Jazz, Schellack oder SACD, aktuelle Neuproduktionen oder vergessene Schätze aus dem Archiv: Es sind Ihnen keine Grenzen gesetzt. Einzig Ihre Meinung zählt. Sagen Sie uns und den RONDO-Lesern, warum gerade diese Aufnahme einen besonderen Platz in Ihrem Plattenschrank und in Ihrem Herzen einnimmt oder warum es unverzeihlich ist, dass unsere Autoren dieses Kleinod bislang übersehen konnten.

Unter den veröffentlichten Beiträgen verlosen wir einmal im Monat als Dankeschön eine CD/DVD aus dem aktuellen Katalog der großen Plattenlabels.

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge.
Ihre RONDO-Redaktion

Hier geht’s zum Online-Formular

Klassik

Johannes Brahms

Die vier Sinfonien

WDR Sinfonie-Orchester, Semyon Bychkov
AVIE
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Johann Sebastian Bach

Matthäus-Passion

Karl Richter
Deutsche Grammophon
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Diverse

por amor al arte

Cantiana
www.cantiana.de
»

Archiv


Jazz

Jiří Stivín, Michal Pavlíček, Vojtěch Havel, Klaudius Kryšpín, Iva Bittová

Status Quo Vadis

Supraphon
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Christophe-Marguet-Trio

Résistance Poétique

Label Bleu LBLC 6582 HM 83
»

Kip Hanrahan

Tenderness

American Clave/SMD AMCL 1016-2
»

Archiv


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CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Wie ein Zündhölzchen wirkt, was 1712 der Hamburger Ratsherr und Kaufmannssohn Barthold Heinrich Brockes in Form seiner geistlichen Passionsdichtung in das kreative Pulverfass der Hamburger Gänsemarktoper wirft. "Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende JESUS", später nur noch griffiger "Brockes-Passion" genannt, trifft den Nerv der Zeit. Die Mischung aus drastischer Passionsschilderung (die den nüchternen Bibelbericht publikumswirksam mit gruseligen Details anreichert) und Arientexten (die das Geschehen theologisch sattelfest in Allegorien aufschlüsseln und leidenschaftlich Stellung zu den Vorgängen beziehen) wirkt wie eine Steilvorlage für die Musiker, die sich um Reinhard Keiser an der ersten deutschen Bürgeroper versammelt haben. Johann Mattheson macht daraus einen Kompositionswettbewerb und fordert auch Georg Philipp Telemann in Frankfurt und Georg Friedrich Händel in London auf, sich mit einem Oratorium auf Brockes' Text zu beteiligen und sich mit Keisers Version von 1712 zu messen. Auch Johann Sebastian Bach, der in Leipzig nicht nur geografisch, sondern auch theologisch sehr weit vom liberalen Hamburg entfernt lebte, bediente sich in seiner Johannes-Passion kräftig an den zündenden Sprachbildern des Hamburger Senators. Peter van Heyghen und seinem Ensemble Les Muffatti ist nun mit Reinhard Keisers Werk, sozusagen der Mutter aller Brockes-Passionen, eine interpretatorisch souveräne Aufnahme gelungen, die den Hörer anspringt und mit ihrem leidenschaftlichen Musizieren ins Geschehen zieht. Der Vergleich mit den späteren Versionen zeigt, welche starke Ausstrahlung der Bühnenmensch Keiser bis in Details der Melodiefindung und der Affektgestaltung auf den Stil der jungen Komponisten hatte, allen voran Georg Friedrich Händels.