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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Musik der Welt

Auch starke Frauen haben den Blues. Davon zeugen Lieder aus Griechenland, Türkei, Portugal und dem Iran.

Die beste Medizin gegen Blues ist der Blues. Ich weiß nicht, von wem ich diesen Satz abschreibe, so selbstverständlich kommt er jedem Barden vom Mississippi-Delta über die Lippen. Betrachten wir Blues einmal nicht als afroamerikanische Musikform, sondern als „Feeling“ (mit all den unterschiedlichen, ja gegensätzlichen Konnotationen, die der Begriff hat) und musikalische Methode, Trauer in Trost zu verwandeln, dann finden wir ihn überall in der Welt. Alle erdenklichen Fassetten von Blues im übertragenen Sinn – vom resignierten Ohnmachtsseufzer zum resoluten Aufbäumen, von sanfter Melancholie zu bittersüßem Glücksgefühl – hört man in der Anthologie „Deeyah Presents Iranian Woman“ (Heilo/Galileo HCD 7269). 13 persische Sängerinnen aller Generationen, Bekanntheitsgrade und stilistischer Ausrichtungen singen Verszeilen wie „Warum rinnt Blut vom Blumengesteck?“ und „Die ganze Nacht tropft Trübnis von schwarzen Ästen“. Selbst wenn man kein Wort versteht, gehen die Lieder an die Nieren. Man spürt an der Intensität, dass jede von ihnen singen „muss“ und hofft, Gehör zu finden. Wenn man um die Zensur von Musik im Iran weiß, erfährt, dass Sängerinnen seit der Revolution nur vor Frauen auftreten dürfen, viele von ihnen sich erst im Exil künstlerisch entfalten, dann ahnt man, welcher Leidensdruck dahintersteckt.

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Betrachtet man Blues als Liedgut unterprivilegierter Menschen, als Ventil einer Subkultur, dann ist der Rembetiko, der zunächst von aus dem osmanischen Reich vertriebenen Griechen verbreitet wurde, der Blues der Ägäis. 13 Lieder von Nöten und Hoffnungen Entwurzelter und Entrechteter, wie man sie in den 20er und 30er Jahren in den Cafés und Haschischhöhlen Athens, Piräus, Thessalonikis und Istanbuls hören könnte, erklingen in „Mortissa“ (Asphalt Tango/ Indigo 980132), einem Titel, der eine „starke, unabhängige Frau“ bezeichnet. Es ist das ausgezeichnete Debut-Album der aus Istanbul stammenden Çiğdem Aslan der Londoner Szene, die sich hier von einem kleinen, feinen Ensemble türkisch-griechischer Exil-Musikanten begleiten lässt. „Die meisten Songs sind auf Griechisch und ich verstand sie nicht beim ersten Hören. Trotzdem fühlte ich mich gleich der Musik nahe“, erklärt die Sängerin, die als im Ausland lebende Angehörige einer ethnischen Minderheit wohl das richtige Gespür für Rembetiko und Smyrneika mitbringt. „Da sieht man, es gibt keine kulturellen Grenzen in der Musik.“ Rückgrat und Zärtlichkeit stecken in Aslans Stimme, Hoffnung und Humor. Wehklagen ist hier nur eine Seite der Medaille.

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Ein Schlaumeier hat einmal gesagt, für ein erfolgreiches Album müsse man berücksichtigen, dass die Leute immer das Gleiche hören wollen, nur anders. Eine Möglichkeit, dieses Prinzip umzusetzen ist „Best Of Mariza“ (Parlophone/Warner 2564631532), ein untadeliger Querschnitt durch das bisherige Schaffen der Königin des Fado, mit zwei bislang unveröffentlichten Stücken: „É ou não é“ und „O tempo não para“. Ist es redlich, die Fans so zu „zwingen“, alles noch einmal zu erwerben? Sie werden es trotzdem tun.

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Marcus A. Woelfle, RONDO Ausgabe 3 / 2014



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