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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Rosenüberreichung im Palmenhaus: Harry Kupfers Inszenierung des "Rosenkavaliers" im Strauss-Jahr (hier: Sophie Koch, Mojca Erdmann), (c) Monika Rittershaus

Pasticcio

Verachtet mir die Meister nicht

Etwas merkwürdig mutet die Programmplanung bei den Salzburger Festspielen schon an. Da hatte sich die 94. Ausgabe in der sogenannten „Ouverture spirituelle“ bereits eine Woche lang mit äußerst prominenten Namen wie Nikolaus Harnoncourt und Pierre-Laurent Aimard warm gespielt – und doch fand die eigentliche Eröffnung erst am 27. Juli statt. Unter den Festrednern befand sich da auch der in Cambridge lehrende Historiker Christopher Clarke, der über den Festspielschwerpunkt „1. Weltkrieg“ sprach. Und natürlich zog er dabei die aktuellen politischen Geschehnisse mit in seine Gedanken ein. „Wir befinden uns – wie die Zeitgenossen des Jahres 1914 – in einer zunehmend gefährlichen, multipolaren Welt, gekennzeichnet durch regionale Krisen“, so Clarke. „Die Katastrophe des Jahres 1914 ist eine Mahnung, wie furchtbar die Folgen sein können, wenn die Politik versagt, die Gespräche versiegen und kein Kompromiss mehr möglich ist.“ Wenngleich man bei den bis zum 31. August gehenden Festspielen dem 100. Jahrestag des Ausbruchs des 1. Weltkrieges künstlerisch gedenkt, hat sich Intendant Alexander Pereira für seine letzte Festspielsaison ansonsten trotzdem kein programmatisch allzu einengendes Korsett verordnet.
Da gibt es zwar eine Bühnenfassung von Karl Kraus' Epos „Die letzten Tage der Menschheit“. Und erst gerade wurde die Oper „Charlotte Salomon“ uraufgeführt, mit der der Franzose Marc-Andre Dalbavie an eine im 2. Weltkrieg ermordete Jüdin erinnerte. Doch Pereira weiß natürlich, dass der internationale Festspiel-Jetset vor allem nach Repertoire-Klassikern in namhaftester Besetzung verlangt. Nun gut – die erste große Festspielproduktion war ein Schuss in den Ofen. Denn in dem von Sven-Eric Bechtolf harmlos inszenierten „Don Giovanni“ muss erneut Christoph Eschenbach am Pult der Wiener Philharmoniker ein Armutszeugnis abgelegt haben. Für Entschädigung werden da wohl Franz Welser-Möst und Harry Kupfer mit ihrem „Rosenkavalier“ sorgen. Und mit Franz Schuberts „Fierrabras“ werden Ingo Metzmacher und Peter Stein auch ein wenig an den Anfang des Jahres verstorbenen Maestro Claudio Abbado erinnern, der diese Oper 1988 grandios wiederentdeckt hatte. Zu den auch konzertanten Highlights der nächsten Wochen gehören zudem eine Wolfgang Rihm-Reihe, sämtliche Beethoven-Klaviersonaten mit Rudolf Buchbinder sowie eine Gesamtaufführung aller Bruckner-Sinfonien mit u.a. Riccardo Muti und Daniele Gatti (www.salzburgerfestspiele.at).

Guido Fischer



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