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04. - 10.02.2023

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am 11.02.2023



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Audi Sommerkonzerte 2012

Höre!

Seit 1990 steht Ingolstadt nicht nur für Automobil-Tradition Made in Germany. Unter den vier Ringen des Firmen-Logos finden hier einen Monat lang prominent besetzte Sommerkonzerte statt. So auch 2012, wenn etwa Elīna Garanča, das Hagen Quartett und das Budapest Festival Orchestra aufspielen.

1996 war man in der oberbayerischen Stadt in heller Aufregung. Denn ein Über-Maestro hatte angekündigt, in Ingolstadt endlich sein Wort zu brechen. Eigentlich wollte Carlos Kleiber nie wieder dirigieren. Und selbst verlockend dicke Schecks hatten ihn bis dahin nicht von seinem Versprechen abbringen können. Dass er nun aber doch mit dem Bayerischen Staatsorchester angereist kam, lag am nicht gerade alltäglichen Honorar, das er mit dem örtlichen Autobauer ausgehandelt hatte. Für seinen Auftritt erbat sich Kleiber einen flammend neuen Audi 8 3.7. Quattro – mit selbstverständlich allen Extras und Schikanen. Ob seitdem diese ungewöhnliche Gage Schule gemacht hat, ist nicht überliefert. Doch egal, ob man nun in Ingolstadt mit barer Münze oder mit PS-starken Schlitten solch bedeutende Gastspiele ermöglichen konnte – gerade im Sommer machten hier immer wieder hochrangige Klassik-Stars Station. Ob Anne-Sophie Mutter oder Simon Rattle, ob Wiener Philharmoniker oder Juan Diego Flórez.
Mit den seit 1990 stattfindenden »AUDI Sommerkonzerten« holt der ansässige Automobilbauer jedoch nicht nur die Elite an die Donau. Jahr für Jahr schnürt man ein Gesamtpaket, das auch den musikalischen Nachwuchs berücksichtigt, das ganz junge Publikum und die Freunde der gemäßigten Moderne anlockt. Und damit hat man sich in den letzten zwei Jahrzehnten eine feste Besucherzahl erspielt. Seit der Gründung der »Sommerkonzerte« sind über eine Viertelmillion Menschen aus und nach Ingolstadt zu den Konzerten gekommen.
Dass man sich gerade für die Musik so stark macht, liegt nicht zuletzt im Firmennamen begründet. Mit »Horch« bzw. »Höre« lässt sich schließlich das lateinische »Audi« übersetzen. Und bereits 1962 ließ man ihm klingende Taten folgen, als die Konzernspitze musikbegeisterte Mitarbeiter bei der Gründung eines Werkorchesters unterstützte. Die »Audi Bläserphilharmonie« existiert weiterhin. Nun aber stehen wieder »Sommerkonzerte« ins heimische Haus. Unter dem Motto »Für die Ewigkeit« veranstaltet man vom 3.–30. Juli 24 Konzerte, in denen Musik aus nahezu allen Gattungen, dazu vom Mittelalter bis zur Gegenwart erklingt.
Und gleich der Eröffnungstusch kann sich nicht nur hören, sondern auch sehen lassen, wenn die lettische Starsopranistin El¯ına Garanˇca als »Carmen « ein Arienfeuerwerk präsentiert. Überhaupt geht es diesmal ziemlich stimmgewaltig zu. Tenor Christoph Prégardien spannt einen Liederbogen von Schubert bis Mahler. Die King´s Singers tauchen in die verführerisch schönen A-Cappella-Tiefen der englischen Renaissance oder des französischen Impressionismus ein. Und im Rahmen des internationalen Audi Jugendchorfestivals geben sich in zwei Konzerten gleich sechs Jugendchöre ein Stelldichein – darunter die Sängerinnen und Sänger der Audi Jugendchorakademie, des Balsis Youth Choir aus Lettland und des Chamber Choir of South Africa. Ein besonderes Highlight ist zudem die Uraufführung des Singspiels »Der König der Vögel«, das von den »Sommerkonzerten« und dem Bayerischen Rundfunk bei Alexander Comitas in Auftrag gegeben wurde. Und mit dabei ist neben Chören eines Ingolstädter Gymnasiums auch die »Audi Bläserphilharmonie«.
Ganz ohne Worte erzählen dagegen aufstrebende Instrumental-Solisten und renommierte Kammermusikensembles Musikgeschichten für die Ewigkeit. So schicken die Salzburger Festspiele das Hagen Quartett mit Werken von Schubert, Janáček, und Dvořák nach Ingolstadt. Das amerikanische Brentano String Quartet widmet sich in seinem Konzert »Fragments – Connecting Past and Present« unvollendeten Kompositionen von Bach, Haydn und Schubert, aber auch zeitgenössischen Werken etwa von Sofia Gubaidulina. Und mit Olga Scheps und dem Russen Igor Levit sind gleich zwei junge, PS-starke Tasten- Stars zu erleben, denen schon jetzt die Zukunft gehört.

www.sommerkonzerte.de

Reinhard Lemelle, 30.11.1999, RONDO Ausgabe 2 / 2012



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