home

N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Startseite · Klang · Magazin

Magazin

Schätze für den Plattenschrank

Eine Autorität am Klavier

1997 verstarb im Alter von 82 Jahren Sviatoslav Richter und damit eine der faszinierendsten Pianistenpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, der selbst Kollegen wie Emil Gilels, Glenn Gould oder Artur Rubinstein tiefe Bewunderung entgegen brachten. Tatsächlich unterschied sich der aus dem ukrainischen Schytomyr stammende Richter in seiner Physiognomie und seinem Spiel völlig von allen anderen. Ohne eine Mine zu verziehen, nahm dieser stets das Blitzlichtgewitter und den ganzen PR-Hype scheuende Riese den Begrüßungsapplaus entgegen. Und kaum hatte er – wie in den letzten Jahren – dann das Saallicht runterfahren lassen und seine auf die Noten gerichtete Leselampe angeknipst, wurde man Ohrenzeuge von klanggewordenen Sehnsüchten und Explosionen, von einer Erhabenheit und Milde, wie man sie von keinem anderen Pianisten geboten bekam. Über 3.600 Konzerte hat Richter im Laufe seiner langen Karriere gegeben, wie sein Biograf Bruno Monsaingeon einmal fleißig durchgezählt hat. Zudem ist sein Spiel auf rund 800 offiziellen CD-Einspielungen dokumentiert. Im Vorfeld des 100. Geburtstages von Richter im nächsten Jahr liegen nun in einer Box all seine Aufnahmen gebündelt vor, die er zwischen 1958 und 1992 auch als Kammermusiker, Liedbegleiter und Konzertsolist für die drei Renommierlabels Decca, Philips und Deutsche Grammophon eingespielt hat. Und ob es nun die zuckende Dämonie bei Liszt, das innig Kantable bei Bach und Schubert oder das hinausgeschleuderte Pathos bei Chopin und Schumann ist – man kann wahllos eine CD herausgreifen und ist sofort mittendrin in einem singulären Gefühls- und Gedankenkosmos.

Complete Decca, Philips & DG Recordings (51 CDs)

Sviatoslav Richter

Decca/Universal

Guido Fischer, 15.11.2014, RONDO Ausgabe 6 / 2014



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Digitale Kulturtempelvisite

Seit 2011 ist Amit Sood viel unterwegs. Denn als Direktor eines weltweit agierenden Kulturinstituts […]
zum Artikel

Blind gehört

„Na, der kann was erleben!“

Das Wienerische – ich habe dort lange genug gelebt – sitzt in der Nase. Die Sprache auch. […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Beim Namen Galilei denkt man sofort an den genialen Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei, der mit seiner exakten Messmethodik die modernen Naturwissenschaften maßgeblich mitbegründete. Doch zur Familie Galilei gehörten auch zwei bedeutende Musiker: Galileos Bruder Michelangelo Galilei und der gemeinsame Vater Vincenzo Galilei. Beide waren hervorragende Lautenisten, Vincenzo setzte sich auch intensiv mit den physikalisch-akustischen Grundlagen der Musikproduktion auseinander und […] mehr


Abo

Top