Startseite · Klartext · Pasticcio

Pasticcio

Meldungen und Meinungen aus der Musikwelt

Weiße Weste

Political Correctness kann zu einer ziemlich anstrengenden Angelegenheit werden, will man sich die weiße Weste wirklich sauber halten. Dies musste auch die Intendanz des Royal Opera House in London am eigenen Leib erfahren, nachdem der Kritiker Philip Hensher in seiner „Independent“- Kolumne einen Umstand angeprangert hatte, den zu beseitigen große Mühen erfordert: Hensher hatte in einem Probenbericht zu Verdis „Un ballo in maschera“ die gängige Praxis, weiße Sänger, die dunkelhäutige Figuren darstellen, schwarz zu schminken, kritisiert. Die Konsequenzen bleiben abzuwarten. Entweder, es findet sich eine dunkelhäutige Ulrica, die auch noch passabel singen kann, oder Werke wie „Otello“ müssten gänzlich vom Spielplan verschwinden. Damit würde ein neues Zeitalter der Inszenierungstradition beginnen, die sich der absoluten Authentizität verpflichtet: „Tristan und Isolde“ bald also nur noch in schlanker Ausführung, „La traviata“ nur noch im August und „Aida“ mit echten Elefanten. Komme, was wolle.

Tomasz Kurianowicz, RONDO Ausgabe 1 / 2006



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Boulevard

Einfühlsamer Piazzolla

Ein Schuss Jazz, eine Prise Film, ein Löffel Leichtigkeit: Bunte Klassik

Astor Piazzolla, der große Meister des Tango Nuevo, ist ja längst selbst ein großer Klassiker […]
zum Artikel »

Pasticcio

Happy End!

Selbst die unnachgiebigsten Verfechter der deutschen Sprachkultur werden diesen Top-Hit Nr. 1 unter […]
zum Artikel »




Top