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N° 1291
04. - 10.02.2023

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am 11.02.2023



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Exportweltmeister in Elefantendung: Giuseppe Verdis „Aida”

Mailand (I), Teatro alla Scala

Dass sich Italien seine „Aida“ aus Deutschland bestellt, hätte man nie erwartet! Anja Harteros und Jonas Kaufmann sind die teutonischen Stars in Antonio Pappanos hinreißender konzertanter Aufführung in Rom (ab Oktober auch auf CD), die wir nur so nebenbei mitnehmen. Harteros muss sich ein vereinzeltes, hartnäckiges Buh am Ende zwar gefallen lassen (während Kaufmann die Blumensträuße gar nicht alle tragen kann, die man ihm kredenzt). Tatsächlich zeichnet sie aber ein so seelenvolles, warm timbriertes und niemals aggressives Bild der äthiopischen Sklavin, wie dies in der Schallplattengeschichte ohne Beispiel ist. Himmlisch! Auch Jonas Kaufmann singt nur zu Anfang mit der leidigen stimmlichen Dauererregung; findet dann aber zu einer sensationellen Freiheit des Tons und der Gefühlsentäußerung, so dass man die immer hexenhaftere Ekaterina Semenchuk (Amneris) und den von Testosteron strotzenden Erwin Schrott (Ramfis) gern in Kauf nimmt.
Wir wollten eigentlich an die Mailänder Scala reisen, wo die aus Moskau übernommene Inszenierung von Peter Stein läuft. Dort indes ist Zubin Mehta nur ein pragmatischer, indolenter Taktierer ohne Sinn für die Tempo- und Temperamentswechsel Verdis. Kristin Lewis’ mädchenhafte Aida hat gegen die überragende Anita Rachvelishvili (die beste Amneris seit Fiorenza Cossotto) keine Chance. Matti Salminen als Ramfis verfügt (im Unterschied zu Erwin Schrott) zwar über die richtigen Tonhöhen; aber nicht mehr über die Töne. Er wird nach Strich und Faden ausgebuht. Was alles in allem ein lebendiges Bild des Opernlandes Italien gibt – und auch des Unterschiedes zwischen Rom und Mailand.
Einzig wer sich von der Regie Peter Steins etwas erhofft hatte, wird herb enttäuscht. Die abstrakten Schemen des Bühnenbildes von Ferdinand Wögerbauer kann jeder italienische Konfektionär besser. Eine Interpretation fehlt gänzlich. Über den Käfig der Zisterne, in welcher Aida und Radamès (Fabio Sartori) sterben, wird am Ende ein abdichtender Klumpen geschoben, der aussieht wie ein in Bronze gegossenes Stück fossilen Elefantenauswurfs. Dafür hätte man sich keinen deutschen Regisseur holen müssen.

Robert Fraunholzer, 28.03.2015, RONDO Ausgabe 2 / 2015



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