Startseite · Klartext · Pasticcio

Pasticcio

Meldungen und Meinungen aus der Musikwelt

Gottes Werk und Kalles Beitrag

Als Gott, der Herr, den Tag herannahen sah, an dem sein Stellvertreter auf Erden umziehen sollte, da fürchtete er großes Ungemach. Denn der Herr ahnte schon seinen Irrtum, der ihn voreilig hatte prophezeien lassen, eher werde ein Klavier durch das vatikanische Nadelöhr passen, als dass ein Komponist aus Kürten je ins Himmelreich käme. Und tatsächlich: Das Klavier passte nicht durch die Tür – erst in seine Einzelteile zerlegt, gelangte es durch die heiligen Pforten. Kaum aber hatte der einfache Arbeiter im Weinberg des Herrn dem Instrument die ersten frommen Töne entlockt, da sandte auch schon Karlheinz Stockhausen, jener wunderliche Licht-Mensch aus Deutschland, eine Botschaft an seinen Landsmann, die besagte, seine Musik sei ebenso gotteswürdig wie jene und müsse vom deutschen Papst vermehrt gespielt werden. Als Gott, der Herr, dies hörte, verfluchte er den Komponisten und ließ die Singflut über ihn kommen. Und er sah, dass es gut war ...

Tom Persich, RONDO Ausgabe 3 / 2005



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Café Imperial

„La mère coupable“, so heißt die von Darius Milhaud 1966 uraufgeführte Fortsetzung der […]
zum Artikel »

Pasticcio

Bruckner-Beats

Das hätte sich der gottesfürchtige Österreicher Anton Bruckner wohl nie träumen lassen. Aber so […]
zum Artikel »




Top