home

N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



Startseite · Klartext · Pasticcio

Unverkennbare Felsnase: Richard-Wagner-Kopf am Großen Arber (c) Bayerisches Landesamt für Umwelt

Pasticcio

Von Gott in Stein gemeißelt

Es ist ja nicht so, als ob Richard Wagner keinerlei Wertschätzung auch in der Kunst und speziell von der Bildhauerei erfahren hätte. Denkmäler gibt es schließlich einige in deutschen Landen. In Sachsen thront der Meister monumental in Bronze. Im Berliner Tiergarten ist er in Marmor gehauen. Und während in Leipzig erst 2013 der Bildhauer Stephan Balkenhof Wagner in gleich zwei Größen auf einen Sockel gestellt hat, darf selbstverständlich auch im Bayreuther Festspielpark keine imposante Büste fehlen. Aber was sind all diese menschengemachten und wie im Fall Balkenhof heftig diskutierten, dreidimensionalen Wagner-Kunstwerke gegen die Verbeugung der Natur vor dem Komponisten.
Bereits vor geschätzten 500 Millionen Jahren schälte sich Wagners markantes Profil aus der Felsformation auf dem Gipfelplateau des im Bayerischen Wald gelegenen Großen Arbers heraus. Die verblüffende Ähnlichkeit fiel aber offiziell erst 1934 auf, als in einem Prospekt zum ersten Mal die Bezeichnung „Richard-Wagner-Kopf“ auftauchte.
Möglicherweise war es der Fachschullehrer Anton Pech – der auch als „Hausmeister des Bayerischen Waldes“ in die Annalen einging –, auf den dieser Name zurückgeht. Nachweislich ist hingegen gesichert, dass Wagner sein steinernes Abbild nie persönlich gesehen hat. Nun hat dieser riesige Wagner-Schädel eine besondere Ehrung erhalten: eine Fachjury, die jährlich unter Leitung des Berufsverbands Deutscher Geowissenschaftler das Gestein des Jahres wählt, hat den „Richard-Wagner-Kopf“ zu „Bayerns Gestein des Jahres 2015“ gekürt. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob das örtliche Tourismus-Büro diese Auszeichnung verwerten und für alle wanderlustigen Wagnerianer entsprechende Routen zusammenstellen wird.

Guido Fischer



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Gefragt

Chen Reiss

Cherio!

Die israelische Sopranistin liebt ihren Mann, Zubin Mehta und Papst Franziskus. Auch ihre Zeit in […]
zum Artikel

Gefragt

Gabór Boldoczki

À la française

Nach orientalischen und böhmischen Konzerten hat der Trompeter für sein neues Album ein Schloss […]
zum Artikel

Gefragt

Christiane Karg

Herznote

Mit „Parfum“ glückt der deutschen Sopranistin ihr bislang bestes […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Auf Anregung seines Lehrers Carl Friedrich Zelter schrieb der blutjunge Felix Mendelssohn Bartholdy im Alter von 12 bis 14 Jahren zwölf Streichersinfonien im Zeitraum von 1821 bis 1823. Diese Werke bildeten sein Übungs- und Experimentierterrain für den musikalischen Satz, die Instrumentation und die sinfonische Form. Mendelssohn überschrieb die Stücke, die er mal mit drei und mal mit vier Sätzen gestaltete, wechselweise mit „Sinfonia“ oder „Sonata“. In ihnen fand die […] mehr


Abo

Top