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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

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am 04.12.2021



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11 Veteranen zum Jubiläum: Prokofjews „Romeo und Julia“

Stuttgart, Oper

Sie scheint jung und fit, unverstaubt und frisch. Sie ist überhaupt nicht gealtert – von welcher Fünfzigjährigen könnte man das schon sagen? Die Rede ist freilich von einer der für gewöhnlich früh sterblichen Choreografien, John Crankos „Romeo und Julia“, die am 2. Dezember 1962 am Württembergischen Staatstheater Premiere hatte und bis heute als Geburtsstunde des Stuttgarter Balletts gilt, wie wir es kennen. Neben der zuckersüßbaiserleichten „Puppenfee“ von 1888 in Wien (die freilich nicht permanent gespielt wurde) dürfte dieser Prokofjew-Klassiker die am längsten ununterbrochen laufende Tanzproduktion sein. Und bis heute steht an der Kasse immer noch: „Ausverkauft“. Besonders emotional und klatschfreudig reagierte das berühmte Stuttgarter Tanzpublikum in der auf den Tag genau getakteten Jubiläumsaufführung, bei der nicht nur Marcia Haydée und Ray Barra als die Urausgabe von Shakespeares „star crossed lovers“ à la Cranko mit auf der Bühne standen, sondern neun weitere Veteranen sich die vielen, fast schon in weiser Voraussicht erdachten pantomimischen Rollen teilten. Die älteste freilich, die 84-jährige Georgette Tsinguirides, seit 1945 am Haus und schon 1966 von Cranko als Choreologin zur Lordsiegelbewahrerin seines choreografischen Erbes ausersehen, war wie damals als feurige Zigeunerin dabei –freilich nur eineinhalb Akte lang. Theaterjugendliche mögen das ewige Leben haben, nicht aber deren Interpreten. Und so gab jetzt der 81-jährige Barra den knickebeinigen Herzog von Verona, während die 75-jährige Haydée vom Capulet-Küken zu deren pausbäckig schlurfiger Amme herangereift ist. Auch als rustikale Perugino-Silhouette ist die Haydée nach wie vor gefährlich bühnenfüllend; nur Birgit Keil (68) macht ihr wie eine Ghirlandaio- Skizze als schwanenhaft-fragile Gräfin Capulet Charisma-Konkurrenz. Vladimir Klos (66) war ihr Mann (so wie im echten Leben), der unvergessen lachend sterbende Mercutio Egon Madsen (70) gab silberlockig sein Pater Lorenzo-Debüt. Wobei ausgerechnet die aktuell Liebenden, Alicia Amatriain und Friedemann Vogel, eher blässliche Figur machten.

Roland Mackes, RONDO Ausgabe 1 / 2013



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