home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Startseite · Künstler · Gefragt

David Bates

Niemand ist eine Insel

In Großbritannien ist die Alte-Musik-Szene bekanntlich so alt ist wie die Alte Musik selbst – schließlich führte man hier schon im Barock Werke vergangener Epochen auf.

In Großbritannien ist die Alte-Musik-Szene bekanntlich so alt ist wie die Alte Musik selbst – schließlich führte man hier schon im Barock Werke vergangener Epochen auf. Doch ebenso groß wie die Tradition ist inzwischen auch die Verführung, sich auf den Lorbeeren der historischen Aufführungspraxis auszuruhen. Denn während etwa die alte Tradition des englischen Kathedralgesangs half, die romantische Aufführungspraxis zu hinterfragen, so ist sie andererseits nicht immer hilfreich, wenn es beispielsweise darum geht, die Emotionalität des aus Italien kommenden barocken Belcanto zu erfassen.
Als David Bates vor fünf Jahren das Ensemble „La Nuova Musica“ gründete, nahm er sich daher vor, es sich nicht einfach auf der Insel bequem zu machen. „In den letzten zehn Jahren hat sich auf dem Kontinent viel bewegt“, sagt Bates, „und ich habe das Gefühl, dass manche Ensembles ein bisschen den Anschluss verpassen.“ Es sei daher gut, sich an die multinationalen Einflüsse zu erinnern, welche das britische Musikleben im 17. und 18. Jahrhundert geformt hätten: „Wie die Elstern“ seien die Briten damals gewesen: „Wir haben uns das Beste aus den verschiedenen Nationen zusammengepickt und in unser Nest getragen“. Genau das tat David Bates auch – und bringt mit dem europäisch zusammengesetzten Ensemble La Nuova Musica frischen Wind in die Szene: Einerseits frönt das Ensemble mit Klarheit, Präzision und dem Verzicht auf vordergründige Effekthascherei sehr wohl traditionellen britischen Tugenden. Ungewöhnlich ist dagegen die Entschiedenheit, mit der Bates und seine Musiker die rhetorische Bildhaftigkeit, die Emotionalität und die dramatische Seite der Musik des Barock und der Renaissance zulassen und dabei auch die einzelne Sängerpersönlichkeit wieder stärker ins Zentrum rücken. Dass Bates, der seine Karriere als Countertenor begann, mit Sängern von Lucy Crowe bis hin zu Tim Meads eine ganze neue, junge Generation von „barocken Belcantisten“ um sich versammeln konnte, spricht dafür, dass womöglich eine neue wichtige Aufführungstradition aus seinem Elsternest entstehen könnte.

Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi

Dixit Dominus

David Bates, Lucy Crowe, La Nuova Musica

harmonia mundi

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Carsten Niemann, RONDO Ausgabe 3 / 2013



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Schuldig…

Am 27. November 2019 tobte die Elphi – aber nicht etwa vor Empörung, sondern vor schierer […]
zum Artikel

Gefragt

Ophélie Gaillard

Fein schattiert

Nach Strauss geht es für die Cellistin wieder rückwärts in der Zeit: zu Vivaldi und seinen […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top