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Gnome im Klangflipper

Zu den meistarrangierten Werken der Klassik gehört Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung”. Und dabei reicht der Bogen von kultiviert orchestriert (Ravel) bis verwegen besetzt (44 Pianisten). Zugleich auch kommerziell den Vogel abgeschossen hatte aber damit seinerzeit der japanische Klassik-Synthie-Guru Isao Tomita. 1975 brachte er seine flippig blubbernde und funkelnde, Klangbögen schlagende Mussorgski-Fassung heraus, durch die so mancher langmattige Pop-Konsument erstmals mit Klassik in Berührung kam. So knackte der Verkauf der Scheibe damals in nur fünf Monaten die Millionenauflage. Tomita, der später auch Soundtracks für Animationsfilme schrieb, hatte damit eine Stil- und Marktlücke entdeckt – und schleuste fortan durch seinen Synthesizer von Pachelbel über Wagner bis Strawinskis „Feuervogel“ nahezu alle Ohrwürmer des Klassikrepertoires. Jetzt ist der Grammy-Gewinner Isao Tomita im Alter von 84 Jahren in seiner Geburtsstadt Tokio gestorben.

Reinhard Lemelle, RONDO Ausgabe 3 / 2016



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