home

N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



Startseite · Konzert · Hausbesuch

(c) Achim Reissner

Junge Deutsche Philharmonie

Der Anfang vom Ende

Das in Frankfurt a. M. beheimatete Orchester geht mit Jonathan Nott auf Frühjahrstournee. Mit dabei: die Mahler-Sängerin Michelle Breedt.

Gustav Mahler. Dieser Name steht für endloses Abschiednehmen, für einen alles umarmenden Weltschmerz. Als Musiker kann man daher all die sinfonischen Bekenntniswerke Mahlers nicht einfach nüchtern, professionell angehen. Man darf mitleiden. Trotzdem – so hat sich Dirigent Jonathan Nott 2013 einmal daran erinnert – war es schon etwas merkwürdig, als er nun mit einem Orchester voller Musikertalente Mahlers 9. Sinfonie erarbeitete. Mit dem letzten riesigen Satz sagt Mahler da eine halbe Stunde lang Adieu – und in dieses Ende müssen nun Musiker all ihre Energie investieren, die mit ihren vielleicht 24, 25 Jahren noch am Anfang ihres Berufslebens stehen. Doch schon bei den Proben zur Frühjahrstournee mit Mahlers letzter Sinfonie war Nott nicht nur einmal mehr begeistert vom extrem professionellen Level der Jungen Deutschen Philharmonie. Er war fasziniert und berührt zugleich, wie das Werk eben dank des Alters der Musiker ganz neu, geradezu verjüngt klang.
Mittlerweile ist in der Partnerschaft zwischen dem renommierten Dirigenten Jonathan Nott und der seit 1974 existierenden Jungen Deutschen Philharmonie viel passiert. 2014 wurde Nott als Nachfolger von Lothar Zagrosek zum 1. Dirigenten und Künstlerischen Berater des Orchesters gewählt. Und seit 2015 gibt es zwischen der JDPh und den von Nott über 15 Jahre lang geleiteten Bamberger Symphonikern eine besondere Zusammenarbeit. Einmal im Jahr laden die Bamberger ihre aufstrebenden Musikerkollegen zu einer Probenphase mit Konzert ein. Nicht zuletzt für zum Beispiel Christian Dibbern vom Orchestervorstand der Bamberger ist diese Unterstützung schon deswegen selbstverständlich, da er 1974 zum Gründungsmitglied der JDPh gehörte. Damals wie heute ist das Orchester für die Musiker im Alter zwischen 18 und 28 Jahren das ideale Sprungbrett. Zumal man im Laufe der letzten vierzig Jahre regelmäßig mit Spitzendirigenten wie Ivor Bolton und Roger Norrington sowie Top-Solisten à la Sol Gabetta und Christian Tetzlaff zusammenarbeiten konnte.
Für die traditionelle Frühjahrstournee, die die JDPh mit Jonathan Nott jetzt von Bamberg über Frankreich und Italien in die Berliner Philharmonie führt, hat man die südafrikanische Mezzosopranistin Michelle Breedt eingeladen. Als Opernsängerin ist sie an allen großen Häusern und vielfach bei den Bayreuther Festspielen zu hören gewesen. Und für die Konzertsängerin gehört nicht zuletzt Gustav Mahler zu ihren absoluten Herzenskomponisten. Für ihr Gastspiel bei der JDPh hat sie Mahlers „Kindertotenlieder“ ausgewählt. „Da schwingt – so höre ich das zumindest – eine ständige Melancholie mit, und man hört deutlich in den Holzbläsern seine jüdische Herkunft“, so die Sängerin. „Es ist eine Bitter-Süßigkeit in seiner Musik.“
Das gilt überhaupt für das gesamte Konzertprogramm, das unter dem Titel „Abgesang“ steht. Immerhin folgt als großes Finalstück Schostakowitschs letzte, vor Wehmut dauerzitternde 15. Sinfonie. Doch dank ihres Alters werden die Musiker dennoch auch in dieser Musik wieder so manch trost- und hoffnungsspendende Züge entdecken.

www.jdph.de

Die Junge Deutsche Philharmonie auf Tournee, u. a. in:

4.3. Bamberg, Joseph-Keilberth-Saal
5.3. Frankfurt, Alte Oper
10.3. Ludwigsburg, Forum am Schlosspark
12.3. Berlin, Philharmonie (live auch in der
Digital Concert Hall)

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 1 / 2017



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Ein Freund der Menschen und der Musik

2013 wurde Mariss Jansons zu gleich zwei besonderen Terminen eingeladen. Zum einen wurde ihm in […]
zum Artikel

Pasticcio

Intendanten von morgen

Meldungen und Meinungen der Musikwelt

Auf der Seite des „Deutschen Musikinformationszentrums“ erfährt man haarklein in Zahlen und […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Freiluftmusik: Es muss schon eine besondere Ehre sein, sich als erwählter Liebling eines gekrönten Hauptes zu fühlen. Richard Wagner könnte ein Lied davon singen, aber auch James Paisible. Sagt Ihnen nichts? Jacques oder James Paisible war ein Franzose und im Gefolge Robert Camberts nach England gekommen. Dieser war enttäuscht davon, dass ihn der Italiener Giovanni Battista Lulli (oder später: Lully) aus dem französischen Musikleben verdrängt hatte, wollte daraufhin mit ein paar […] mehr


Abo

Top