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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Münchens Konzerthaus - der Siegerentwurf der Vorarlberger Architekten (c) cn-architekten.at

Pasticcio

Warum nicht!

Kaum war die Nachricht mit den entsprechenden Bildern des Siegerentwurfs raus, da hagelte es in diversen Foren prompt Hohn und Spott. Als „Gewächshaus“ wurde Münchens neuer geplanter Konzertsaal bezeichnet. Oder als „überdimensionaler Kuhstall“, „Schuhschachtel“, „Sarkophag“. Auch nicht schlecht war der Titel „Aspik-Terrine“ für den gläsernen Bau, der 2018 in Angriff genommen und voraussichtlich 2021 höchst feierlich von Stadt und Land abgenommen – und dann hoffentlich für mindestens „gut“ befunden wird. Nun sind solche in erster Erregung aus der Hüfte geschossenen Schmähungen entschuldbar. Denn zeitgenössische Architektur konnte es noch nie allen recht machen. Und wer weiß, wie saftig die Ausdrücke für die jetzt zweit- oder drittplatzierten Entwürfe ausgefallen wären, wenn sie gesiegt hätten. Aus den 31 eingereichten Arbeiten wurde aber ein Überraschungssieger präsentiert: Nicht die angesagten Global-Player-Büros von David Chipperfield sowie der verstorbenen Architektin Zaha Hadid konnten sich das Preisgeld von netto 125.000 Euro sichern (für den 2. Platz gibt es immer noch 100.000 und für den 3. 75.000 Euro). Den Zuschlag bekam das in Bregenz ansässige Büro der Cukrowicz Nachbaur Architekten.
Mit der Realisierung ihres Vorschlags soll nun schon bald eine Lücke geschlossen werden, über die sich das musikinteressierte München über 15 Jahre lang die Köpfe heiß debattiert hatte. Die Grundfrage lautete stets: Braucht man an der Isar neben dem Gasteig, dem Prinzregententheater sowie dem Herkulessaal tatsächlich noch einen vierten Konzertsaal? Die Antwort kam auch von prominenten Befürwortern wie Bariton Christian Gerhaher und Geigerin Anne-Sophie Mutter schon deswegen wie aus der Pistole geschossen, da die Philharmonie im Gasteig unbedingt eine Rundumerneuerung braucht – für die ein Ausweichplatz vorhanden sein muss. Der Konzertsaal, in dem vor allem das Bayerische Symphonieorchester ein festes Domizil finden soll, muss aber nicht nur eine solide Finanzierung bekommen, auch ein geeigneter Ort musste erst gefunden werden. Den hat man nun im sogenannten „Werksviertel“ unweit des Ostbahnhofs ausgemacht. Auf einer Grundfläche von 3.500 Quadratmetern, die von Schulen, Kindergärten, Cafés und Wohnungen eingerahmt wird, entsteht ein transparentes Gebäude mit gleich zwei Konzertsälen. Im Großen sollen 1800 Besucher und im Kammermusiksaal 600 Besucher Platz finden. Und selbstverständlich sind noch ausreichend Probe- und Aufenthaltsräume für die Musiker, sowie Räumlichkeiten für pädagogische Programme geplant. „Die Menschen müssen verstehen: Entscheidend ist, was im Konzertsaal passieren wird“, postuliert der aktuelle Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters, Mariss Jansons im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Und spendete für den Konzertsaal sogleich das gesamte Preisgeld des ihm verliehenen Ernst-von-Siemens-Musikpreis. „Und wenn man durch die Glasfassade das Leben im Inneren sieht, dann ist das wunderbar. Der Entwurf ist nicht so spektakulär, aber auch nicht hässlich. Und es geht vor allem um die Musik, deshalb ist nun die Akustik die nächste wichtige Frage, die geklärt werden muss.“ Natürlich ist die Akustik das A und O. Trotzdem sollte man darüber hinaus nicht die Kostenfrage vergessen: Maximal 300 Millionen Euro sind für das neue Konzerthaus veranschlagt. Da kann man den Münchnern nur die Daumen drücken, dass man damit auch auskommt.

Guido Fischer



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