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Leipzig freut sich auf Andris Nelsons (c) Jens Gerber/Gewandhausorchester Leipzig

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Leipzig im Letten-Fieber

Ist sein neuer Rauschebart gewollt? Oder hat Andris Nelsons momentan einfach keine Zeit mehr für eine gepflegte Rasur? Könnte man verstehen. Denn Nelsons Terminkalender dürfte aktuell noch proppevoller als sonst schon sein. Obwohl er sich schon immer als konditionsstarker Workaholic erwiesen hat, nehmen ihn nicht nur die Vorbereitungen auf sein neues Karrierekapitel in Leipzig schwer in Beschlag. Auch seinen Zweitjob in Boston darf er nicht vergessen. Doch jetzt stehen erst einmal jene Konzerte und eine anschließende Europatournee an, mit denen der gebürtige Lette und das Leipziger Gewandhausorchester endlich auch offiziell in ihre zukünftige Partnerschaft starten wollen. Zwar stand es schon 2015 fest, dass Nelsons mit Beginn der laufenden Saison 2017/18 zusätzlich zum Boston Symphony Orchestra auch die Leitung des Leipziger Traditionsorchesters übernehmen wird. Doch erst jetzt findet mit flankierenden Festreden und entsprechenden Festwochen die eigentliche Amtseinführung statt.
Vom 18. Februar bis zum 23. März dauert der erste große Konzertreigen, für den selbst die Philharmoniker aus Berlin und Wien unter der Leitung von Vasily Petrenko bzw. Daniel Barenboim dem Ganzen noch ein Sahnehäubchen aufsetzen. Und am 22. Februar tritt dann endlich Nelsons selbst als 21. Gewandhauskapellmeister vor das Orchester und das Publikum und dirigiert neben der „Schottischen“ seines Vor-Vor-Vorgängers Mendelssohn und Alban Bergs Violinkonzert auch die erste von drei Uraufführungen, die für diesen Anlass in Auftrag gegeben worden sind Sie stammt von Steffen Schleiermacher. Im Laufe der weiteren Orchesterkonzerte stehen zudem neue Stücke von Thomas Larcher sowie Jörg Widmann auf dem Programm, der ja in dieser Spielzeit auch als „Gewandhauskomponist“ fungiert. Tradition und Moderne, die Pflege des großen Klassik-Kanons und die Förderung zeitgenössischer Musik – dies wird bis mindestens zum Jahr 2022 der rote Faden in der gemeinsamen Zusammenarbeit sein. Solange läuft nämlich vorerst Nelsons Vertrag in Leipzig. Doch wer weiß: Vielleicht fühlt er sich ja hier bald so pudelwohl, dass er seinen Vertrag – wie unlängst in Boston vorgemacht – schon mal wesentlich früher verlängert (www.gewandhausorchester.de).

Guido Fischer



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