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Der Süden

Passion, Ekstase und Leidenschaft

Ob Bayreuth, Salzburg oder Schwetzingen – selbst traditionsreichste Festivals müssen sich heutzutage mit jeder Ausgabe und Jahr für Jahr immer wieder neu erfinden.

Jedes Festival, das etwas auf sich hält, muss natürlich nicht nur klug aufgebaute und namhaft besetzte Programmen bieten. Auch die entsprechenden Aufführungsorte sollten vom schick designten Hightech-Konzertsaal bis zur malerischen Kapelle reichen, akustisch etwas hermachen und zugleich einladenden Charme besitzen. Auch das Klassikfestival „Musica Bayreuth“ war stets reich gesegnet, und nun kann man endlich die Wiedereröffnung des Marktgräflichen Opernhauses feiern. Sechs Jahre lang wurde dieser Barockarchitekturschatz nach allen Schikanen und für 30 Millionen Euro restauriert und saniert und ist pünktlich zur diesjährigen „Musica Bayreuth“ (7.4. – 15.6.) fertig. So kommt man hier in den Genuss etwa von Johann Adolph Hasses Opera seria „Siroe“ mit Countertenor Max Emanuel Cencic und der Sopranistin Julia Lezhneva.
Genau einen Monat, nachdem sich Mitte Juni die Pforten dieses Barockopernhauses wieder schließen, werden sie nebenan im Festspielhaus mit großem Tamtam und prominenten Defilee eröffnet. Dann beginnt die 107. Ausgabe der Bayreuther Festspiele (25.7. – 28.8.). Und die einzige Premiere in diesem Jahr ist direkt zu Beginn zu erleben – mit dem „Lohengrin“ in der Regie von Yuval Sharon und in der Künstlerischen Ausstattung u.a. vom Leipziger Malerpapst Neo Rauch. Am Pult steht der Wagner-Exeget par excellence, Christian Thielemann.
Ein anderer Leib- und Magenkomponist von Thielemann wird dagegen wieder in Garmisch-Partenkirchen gefeiert – mit dem Richard- Strauss-Festival, das unter dem Motto „Metamorphosen“ steht (22.6. – 1.7.). Mit der diesjährigen Serie mit Orchester- und Kammerkonzerten (u.a. mit Olli Mustonen, Wiener Symphoniker) startet man zugleich optimistisch in eine neue Ära. Denn Dirigent Alexander Liebreich tritt als neuer Künstlerischer Leiter in die erfolgreichen Fußstapfen von Brigitte Fassbaender.
Von Garmisch nach München sind es Luftlinie rund 80 km. Hier feiern die Münchner Opernfestspiele unter dem Titel „Geliebt, Gehasst“ auch 100 Jahre Bayerische Staatsoper (24.6. – 31.7.). Vier Premieren (u. a. Wagners „Parsifal“ mit dem First-Class-Cast Kirill Petrenko, Christian Gerhaher, René Pape, Jonas Kaufmann, Nina Stemme), mehrere Uraufführungen (u.a. „Die Vorübergehenden“ von Nikolaus Brass), Liederabende (Anja Harteros), Oper für alle sowie der komplette „Ring des Nibelungen“ – wahrlich kein übles Jubiläumspogramm.
Wer dann noch länger in Bayern verweilen will, der macht sich auf in die Lauten- und Geigenbaustadt Füssen, zum Festival „vielsaitig“ (29.8. – 8.9.). Das Motto lautet „Prisma“ und wird u.a. vom Vogler Quartett, dem Klavierduo Stenzl und der fulminanten Klassik-Band Spark mit Leben erfüllt. Einen Monat früher lohnt auch ein Besuch bei den Internationalen Herrenchiemsee Festspielen (17. – 29.7.). Seit 2001 lädt Enoch zu Guttenberg im Königsschloss Herrenchiemsee zu hochkarätig besetzten Festspielen ein. Unter dem Motto „Europa“ sind etwa Concerto Köln, Werner Güra und Anna Gourari zu hören.
Ein weiteres Schwergewicht der Festivallandschaft versammelt dieses Jahr Marc Minkowski und seine Les Musiciens du Louvre, Marlis Petersen, Pierre-Laurent Aimard sowie Mandolinist Avi Avital: Das Mozartfest Würzburg (24.5. – 24.6.) folgt dem Themenkomplex „Aufklärung. Klärung. Verklärung“. Das Komponistenporträt ist Arvo Pärt gewidmet.
Noch bis zum 21. April geht der „Heidelberger Frühling“, der sich musikalischer „Eigen-Arten“ annimmt. Als „Artist in Residence“ fungiert diesmal Cellist Jean-Guihen Queyras. Bariton-Titan Thomas Hampson gibt sich die Ehre. Und zum hochkarätigen Pianistenreigen gehören Rudolf Buchbinder, Fazil Say und David Fray. Eine Woche nach dem großen Finale in Heidelberg beginnen sodann die Schwetzinger SWR Festspiele unter dem Motto „Übergänge“ (27.4. – 26.5.). 57 Veranstaltungen stehen auf dem Programm, darunter Konzerte mit den beiden Residence-Künstlerinnen Antje Weithaas und Tanja Tetzlaff, die Uraufführung des Musiktheaters „ARGO“ von José Maria Sánchez-Verdú sowie Henry Purcells Semi-Opera „The Fairy Queen“ mit der Akademie für Alte Musik und dem RIAS Kammerchor unter der Leitung von Rinaldo Alessandrini.
Sehens- und hörenswerte Opernkost gibt es aber selbstverständlich auch bei den südlichen Nachbarn in Bregenz und Salzburg. Die 1946 ins Leben gerufenen Bregenzer Festspielen (18.7. – 20.8.) sind weltweit bekannt durch ihre spektakulären Inszenierungen auf der weltweit größten Seebühne und in stimmungsvoller Landschaft. In diesem Jahr gehören zu den Festival-Highlights Bizets „Carmen“ (Regie: Kasper Holten), Berthold Goldschmidts „Beatrice Cenci“ (Regie: Johannes Erath) sowie die Uraufführung von Thomas Larchers „Das Jagdgewehr“.
Zu guter Letzt noch ein kurzer Blick nach Salzburg. Und obwohl schon vorher feststand, dass es in diesem Jahr keine Wiederaufnahme von Verdis „Aida“ mit Anna Netrebko geben wird, kommt der Opernfan auch so auf seine Kosten bei den Salzburger Festspielen (20.7. – 30.8.). Acht Opernproduktionen sind geplant. Darunter findet sich eine neue „Zauberflöte“ (Regie: Lydia Steier), Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ mit Regisseur Jan Lauwers und Alte Musik-Maestro William Christie. Außerdem dirigiert Kent Nagano Henzes „Die Bassariden“. Passend zum eigentlich zeitlosen Themenschwerpunkt „Passion, Ekstase und Leidenschaft“ kommt es zudem in der Reihe „Ouverture Spirituelle“ zu einer Aufführung der „Lukaspassion“ des polnischen Altmeisters Krzysztof Penderecki, der 2018 zugleich seinen 85. Geburtstag feiert.

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 2 / 2018



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