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Der Westen

Ständig blühende Klanglandschaften

Ob an Rhein, Ruhr oder Lahn, ob historische Aufführungspraxis oder zeitgenössische Kammermusik – der Klassik-Westen ist mit seinen Festivals mehrere Reisen wert.

2018 ist ein an r u n d e n Ge d e n kund Geburtstagen gesegnetes Musikjahr. Vor 100 Jahren verstarb Claude Debussy. 1918 erblickte aber zugleich Leonard Bernstein das Licht der Welt. Doch da gibt es ja noch einen dritten Jubilar. Es ist Bernd Alois Zimmermann, der ebenfalls 100 Jahre alt geworden wäre. Und weil der gebürtige Rheinländer auch in der Domstadt mehr als nur Spuren hinterlassen hat, richtet das Kölner Neue Musik-Festival „Acht Brücken“ 2018 den musikalischen Fokus auf diesen bedeutenden Komponisten. Unter dem Motto „Metamorphosen – Variationen“ sind zwei Wochen lang Zimmermannsche Orchesterklassiker wie die dadaistische Klang-Collage „Musi- Zwischen Bonn und Köln gelegen, geben sich dort im imposanten Rokoko-Schloss Augustusburg exzellente Vertreter der gutinformierten historischen Aufführungspraxis die Klinke in die Hand. Und dank Dirigent Andreas Spering hat sich Brühl auch zu einem internationalen Zentrum für die Haydn- Pflege entwickelt (das Haydn-Festival findet im August statt). Bei den schon ab Mai veranstalteten Brühler Schlosskonzerten liegt der Schwerpunkt diesmal auf Barockklassikern von Bach, Händel, Vivaldi, gespielt von der Capella Augustina, dem Ensemble Harmonie Universelle sowie sogar einem Marimba- Duo (12. Mai bis 1. Juli).
Von Brühl geht es wieder in Richtung Ruhrgebiet. In Dortmund steht bereits die 10. Ausgabe des Klangvokal-Festivals an. Auch für die Jubiläumsausgabe hat man wieder einen prominent besetzten Konzertreigen zusammengestellt, bei dem Christina Pluhar samt L’Arpeggiata Händel Beine macht sowie Claudio Monteverdis Oper „L’Arianna“ in der Fassung von Claudio Cavina erstmals zu hören ist. Weitere Gäste sind die Tallis Scholars und Vox Luminis (11. Mai bis 10. Juni).
Genau 42,3 Kilometer fährt man dann mit dem PKW in Richtung Osten, nach Hamm, wo das „KlassikSommer“-Festival unter dem Motto „Tanzfieber“ steht. Und das Tanzbein schwingen dann – rein musikalisch, versteht sich – die Pianisten Herbert Schuch und Matthias Kirschnereit, das Alliage Quintett sowie die wilde Barock-Gang Red Priest (16. Juni bis 22. Juli).
Im hessischen Weilburg gehen schließlich die Weilburger Schlosskonzerte in ihre 46. Runde. Und dass man das musikalische Leben an der Lahn wieder in vollen Zügen genießen kann, dafür sorgen diesmal Musiker wie Martin Stadtfeld, Olga Scheps, Dorothee Oberlinger und Fado-Königin Cristina Branco (8. Juni bis 11. August). ques pour les soupers du Roi Ubu“ zu hören – sowie die Uraufführung eines Bratschenkonzerts des Zimmermann-Schülers York Höller mit Tabea Zimmermann und Kölns GMD François-Xavier Roth (28. April bis 11. Mai). Nahezu zeitgleich gehen im Saalbau des Ruhrgebietsstädtchens Witten auch wieder die Wittener Tage für neue Kammermusik über die Bühne. Jede Ausgabe dieses Traditionsfestivals ist von jeher ein Paradies für Fans der zeitgenössischen Musik. In diesem Jahr steht das dreitätige Meeting zudem unter einem besonderen Stern: Es findet zum 50. Mal statt (27. - 29. April)! Zu den Schwerpunkten gehören ein Porträt des Komponisten Mark Andre sowie Gastspiele des Klangforum Wien.
Ihren immerhin schon 60. Geburtstag feiern dagegen die Brühler Schlosskonzerte.

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 2 / 2018



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