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Mit dem Gitarrenhals auch das eigene Leben in die Hand nehmen (c) pixabay.com

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Es lebe die Chancengleichheit!

Es war eine einmalige Erfolgsstory, das 2003 in Bochum ins Leben geschubste und längst über die Landesgrenzen von NRW hinaus beliebte Projekt „Jedem Kind ein Instrument“. Damit wurde bei den Grundschülern nicht nur die Lust am Musizieren geweckt, sondern auch der Spaß an der Klassik. Um aber wirklich jedem Kind unabhängig vom Geldbeutel den Zugang zur Musik zu ermöglichen, waren sie in der Grundschule von jeglichen Gebühren befreit. Mit dem Ende des laufenden Schuljahres wird „JeKi“ aber nun zu Grabe getragen. Denn zu den organisatorischen Problemen, die sich auch angesichts der enormen Resonanz entwickelt hatten, kam leider auch wieder das überwunden geglaubte Thema „Geld“ hinzu. Denn diejenigen, die nach der 4. Klasse an einer Musikschule weiter musizieren wollten, mussten nun eben doch einen entsprechenden Monatsbeitrag bezahlen. Die angestrebte Chancengleichheit war damit passé und trug auch zum Projektende bei. Schade.
Dafür gibt es aus dem Norden der Republik eine schöne Nachricht: der Hamburger Verein „Musiker ohne Grenzen“ ist von der deutschen Stiftung „Bildung und Gesellschaft“ mit dem „Primus-Preis“ für sein Engagement im Hamburger Problemviertel Osdorfer Born ausgezeichnet worden. Seit 2014 bietet dieses Projekt jede Woche für musikinteressierte Kinder und Jugendliche professionellen Einzel- oder Gruppenunterricht an. Gegen einen symbolisch geringen Betrag, der natürlich bei entsprechender Bedürftigkeit entfällt, unterrichten Studierende der Hamburger Hochschule für Musik und Theater die Jugendlichen auf Klavier, Gitarre, Posaune, beim Singen im Chor oder dem Spielen in einer Band. „Die Musik ist ein Medium, um sich selbst auszudrücken", so die Musikstudentin Dina Lipowitsch, die in dem spendenfinanzierten Projekt mitarbeitet. „Vorspielen und gemeinsam ein Konzert zu geben, fördern Selbstwertgefühl und Teamgeist.“ „Jugendlichen aus einem schwierigen Umfeld den Zugang zu Musik eröffnen, birgt eine große Chance", ergänzt Birgit Ossenkopf, stellvertretende Geschäftsführerin der Stiftung „Bildung und Gesellschaft“. „Musik ist hier keine Flucht, sondern ein Mittel, um etwas zu lernen, aktiv das eigene Leben zu reflektieren und zu verbessern. Und genau das ist Bildung.“ Wer dieses vorbildliche Projekt unterstützen will, kann dies über die Webseite www.musikerohnegrenzen.de tun. Es wird sich für die jungen Musikschüler doppelt und dreifach auszahlen.

Guido Fischer



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