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Anderson & Roe (c) Lisa-Marie Mazzucco

Boulevard

Ein Schuss Jazz, eine Prise Film, ein Löffel Leichtigkeit: Bunte Klassik

Zwei Klaviere spielen Mütterliches

Wenn man sich nur auf die Suche macht, findet man zu einem Thema die verschiedensten Musikstücke. Das Thema „Mutter“ zum Beispiel brachte das Klavierduo Anderson & Roe dazu, die folgenden Werke auf ihrem Album zu kombinieren: Dvořáks „Lieder, die meine Mutter mich lehrte“, Paul Simons „Mrs. Robinson“, den Evergreen „What A Wonderful World“, Schuberts „Ellens Gesang“ (auch bekannt als „Ave Maria“), Queens „Bohemian Rhapsody“, Rachmaninows Suite op. 5 und McCartneys/Lennons „Let It Be“. Weit hergeholt? Sei’s drum. Das Klavierduo, das hier die ganze Bandbreite von zwei Flügeln ausspielt, besitzt nicht nur breites interpretatorisches Talent, sondern zeigt sich auch als geniales Bearbeiterteam: Wie die großen Beatles- oder Queen-Nummern oder „Wonderful World“ in sich langsam herantastenden Improvisationen zu ganz neuen Werken werden, ist einer der Gründe, warum dieses Album eine ungeheure Faszination entfaltet.

Mother – A Musical Tribute

Anderson & Roe

SWR Music/Naxos

Kopitz’ andere Seite

Dass Musikwissenschaftler einfallsreich komponieren können, ist so selbstverständlich nicht. Klaus Martin Kopitz bildet eine rühmliche Ausnahme: Neben Forschungen etwa zur Beethoven-Biografik bringt der Musikologe auch eigene Werke zu Papier – klassisch-ernstes für den Konzertsaal, aber auch Film- und Hörspielmusiken und mehr. Um sein schöpferisches vom forschenden Ich zu trennen, hat er als Komponist das Pseudonym Mia Brentano angenommen – so auch beim Album „Mia Brentano’s Hidden Sea“. Wer hier nur eine weitere Woge der Peaceful-Piano-Welle (nur eben diesmal für Klavierduo) erwartet, irrt. Kopitz/Brentano liefert ein immer wieder überraschendes Panorama von klassisch bis freitonal, von jazzig bis minimalistisch. Dass sich die Crossover- Pianisten Benyamin Nuss und Max Nyberg diese Stücke, die über Jahrzehnte hinweg entstanden, für ihr Album gesichert haben, kann man sehr gut verstehen.

Mia Brentano’s Hidden Sea

Benyamin Nuss, Max Nyberg

Mons Records/in-akustik

Heimat in vielen Facetten

Man muss eigentlich gar nicht bis zu der berühmten Filmserie der Achtziger zurückgehen, um zu begreifen, wie vielschichtig, irreführend und einfach nur schillernd der Begriff „Heimat“ ist. Das Duo Fjarill – bestehend aus den beiden Musikerinnen Aino Löwenmark und Hanmari Spiegel – betrachtet Hamburg als Heimat, sieht aber zum Beispiel die kulturellen Errungenschaften der dort mittlerweile ebenfalls beheimateten Syrer oder Araber dazugehörig. Dass die beiden selbst aus Schweden und Südafrika stammen, macht das Ganze nur noch facettenreicher. In ihrem Album „Kom Hem“ verbinden sie ihre vielschichtigen Heimatassoziationen: Mit schwedischen Texten zu Weltmusik, mit volksmusikalisch angehauchten Liedern, denen Klavier und Violine und andere akustische Instrumente mal sparsame, mal rhythmischkraftvoll Begleitung verleihen.

Kom Hem

Fjarill

Butter & Fly Records/Indigo

Kammertänze von Mozart bis ABBA

Klassisches Kammerensemble, Akustik-Band, Avantgarde-Gruppe? Nichts davon und von allem etwas ist Spark. Rhythmisch inspiriert wie schon in den vorangegangenen Alben haben die Musiker daraus nun ein Prinzip gemacht: „On The Dancefloor“ vereint alte und neue tänzerische Musik, äußerst reizvoll gleich mehrfach gebrochen, wenn eben nicht nur Tänze von Mozart vorkommen, sondern auch Barockadaptionen von Reger oder Ravel, die ja selbst so etwas wie eine Betrachtung vergangener Epochen über Stilgrenzen hinweg darstellen. Und der Bogen spannt sich noch weiter: So hat der Stuttgarter Komponist Christian Bartmann einen modernen Techno beigesteuert, der hier in Kammermusikformation erklingt. Bis man sich schließlich einer herrlichen, von Blockflöte, Klavier und minimalistisch schrubbelnden Streichern geprägten Version des ABBAHits „Dancing Queen“ erfreut.

On The Dancefloor

Spark

Berlin Classics/edel

Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 3 / 2018



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