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Brieffreunde: Armin Brinzing (Leiter Bibliotheca Mozartiana), Johannes Honsig-Erlenburg (Präsident ISM), Ulrich Leisinger (Wissenschaftlicher Leiter ISM) und Rolando Villazón (Mozart-Botschafter ISM) © ISM/Martin Hörmandinger

Pasticcio

„Scheishäusel den 12. Juli“

Schon als Zehnjähriger hatte Mozart einen gehörigen Schalk im Nacken. Zumindest hinter vorgehaltener Hand zeigte er dann schon mal wenig Respekt vor hohen Tieren. Als er 1776 mit „Gallimathias musicum“ seine früheste Huldigungsmusik komponierte, versteckte er zwischen den Notenzeilen dieser Serenade manchen Text, der dem neuen Erbstatthalter der Niederlande, Prinzen Wilhelm V. von Oranien, gar nicht gefallen hätte. „Eitelkeit, Eitelkeit, ewig´s Verderben! wenn all´s versoffen ist, gibt´s nichts zu erben“, notierte Mozart da frech unter ein „Adagio“. Dass er überhaupt sein kurzes Leben lang ein Freund derber Späße mit einem ausgesprochenen Faible fürs Unflätige war, weiß man nicht zuletzt aus seinen vielen Briefen, bei denen die Adressaten garantiert stets ordentlich gestaunt haben dürfen. Auch der mit Mozart befreundete Chorleiter Anton Stoll muss sich ziemlich gewundert haben, als er Mitte Juli 1791 Post bekam. Denn vor der Bitte, ihm doch die Originalpartitur einer Messe nach Wien zu schicken, die man kurz zuvor gemeinschaftlich aufgeführt hatte, machte Mozart seinem Talent als Lyriker alle Ehre – mit der Anrede: „liebster Stoll! bester knoll! grösster Schroll! bist Sternvoll! – gelt, das Moll thut dir Wohl?“. Auf der Rückseite des Briefs folgte sodann eine zweite, gleichfalls mehr als salopp formulierte Aufforderung, die genannten Noten zu schicken. Unterschrieben war sie aber diesmal von Mozarts Schüler und Assistenten Franz Xaver Süßmayr – mit den Worten: „Ich bin Ihr ächter Freund, Scheishäusel den 12 Juli“. Doch hinter diesen Zeilen steckte tatsächlich Mozart selbst, der dafür versucht hatte, die Handschrift Süßmayrs zu fälschen.
Dieser Brief aus Mozarts Todesjahr war bekannt, befand sich aber bis vor kurzem im Privatbesitz (einer seiner Vorbesitzer war Johannes Brahms!). Nun hat diese Rarität ein neues Zuhause bekommen. Dank der großzügigen Spende einer musikbegeisterten Industriellen konnte die Salzburger Stiftung Mozarteum den Brief für ihre Sammlung von Original-Autographen, für die „Bibliotheca Mozartiana“ erwerben. „Was für ein besonderer Moment und was für ein Glück, dass sich die Eigentümerfamilie dieses besonderen Mozartbriefes direkt an die Stiftung Mozarteum gewandt hat“, so Stiftungs-Präsident Johannes Honsig-Erlenburg. „Danke, dass sie uns vor dem ‚Auktionsmatch‘, bei dem eine gemeinnützige Institution wie die Stiftung Mozarteum schon lange nicht mehr mithalten kann, bewahrt hat.“ Auch Tenor Rolando Villazón zeigte sich als offizieller Mozart-Botschafter der Stiftung Mozarteum vom Ankauf angetan: „Jeder Brief Mozarts öffnet uns eine neue Tür in die Seele des größten musikalischen Genies aller Zeiten. Einen neuen Brief Mozarts zu entdecken ist, wie eine neue Blume in einem wunderschönen Garten zu finden.“ Wie alle Briefe Mozarts aus der Sammlung wird auch der neu erworbene Brief über die Website „Bibliotheca Mozartiana digital“ online verfügbar sein.

Guido Fischer



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