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(c) Caroline Bittencourt/ECM

Danish String Quartet

Farbenlehre

Beethoven – gebrochen durch Bach und Moderne: So geht die hippe Streicherformation ihr fünfteiliges CD-Projekt an.

„Bei uns Dänen ist alles dänisch.“ Grinsend reagiert der Bratschist Asbjørn Nørgaard auf die Frage, warum das Danish String Quartet denn so heiße. Deutsches Streichquartett – das käme bei uns irgendwie nicht besonders an. „Wir haben damit in unserem kleinen Land, auf das wir irgendwie stolz sind, kein Problem, auch werden wir nie als Hipster definiert, weil wir Bärte tragen, das tun zu Hause fast alle in unserem Alter.“ Danish und Quartet, das hat aber in Kopenhagen durchaus auch eine Tradition, auf die sich die jüngsten Vier, alle Anfang der Achtzigerjahre geboren, berufen. Seit den Dreißigern gab es so ähnlich klingende Formationen, und einer ihrer Lehrer hat im bis 1996 bestehenden Danish Quartet gespielt. „Er hat sich gefreut, als er von unserem Namen erfahren hat“, sagt Nørgaard.
Drei der Jungs kennen sich seit ihrer Kindheit, sie haben ihre Zeit mit Ballspielen wie Musizieren verbracht, vielleicht deshalb die besondere Synchronität und gleichlautende Stimmung in der Truppe? Ihr Debüt gaben die Vier (der Cellist ist übrigens Norweger) 2002 in Kopenhagen, und seither werden sie für ihren zupackenden Ton und ihre kraftvollen Interpretationen geschätzt – vor allem immer wieder auch die der Beethoven-Quartette. Doch sie beschäftigen sich nicht nur mit der klassischen Literatur und ihrer Fortführung ins Heute. Wie alle wachen Kreativgeister ihrer Generation suchen sie beständig nach Möglichkeiten, die üblichen Konzertrituale aufzusprengen, anders zu kommunizieren.
Eine gewisse Zeit hat sich das Danish String Quartet deshalb auch der dänischen Folklore gewidmet, das Ergebnis ist auf seinen ersten beiden Veröffentlichungen für das Kultlabel ECM zu hören. „Damit ist jetzt erstmal Schluss, es gibt noch viel Material, wir kommen sicher darauf zurück, wollen es aber erst einmal sacken lassen“, erklärt Asbjørn Nørgaard.
Es war ein guter Tag, versichert der Bratscher, als der legendäre ECM-Chef Manfred Eicher, aufmerksam gemacht durch den gemeinsamen amerikanischen Manager von András Schiff, auf sie zukam und sie in seiner Künstler- Family eingemeinden wollte: „Natürlich sind wir uns dieser Ehre bewusst. Und immer wenn wir in München sind, schauen wir bei denen in Gräfelfing vorbei!“
Durchaus ECM-kompatibel beginnt das Danish String Quartet nun eine Fünferserie namens „Prisma“. Sie umfasst pro Album eines der späten Beethoven-Streichquartette, die sich in anderem Repertoire brechen sollen. „Doch wir kamen schnell darauf, dass ein Werk von Bach immer den Anfang machen soll, denn darauf fußt in der Quartettliteratur alles.“ „Prism 1“ präsentiert das erste der späten Beethoven-Quartette , op. 127 in Es-Dur, Bachs Fuge in gleicher Tonart (von Mozart arrangiert) und Dmitri Schostakowitschs letztes Streichquartett Nr. 15 in es-Moll. Das Ergebnis klingt zugespitzt und spannend. Weiter gehen soll es unter anderem mit Bartók; das Repertoire steht inzwischen fest, es sind auch schon fast alle Stücke durchgespielt. Nur über die Abfolge ist man sich noch nicht klar –auch da hat ECM natürlich seine eigenen Vorstellungen.

Erscheint Ende September:

Ludwig van Beethoven, Dmitri Schostakowitsch, Johann Sebastian Bach

Prism I

Danish String Quartet

ECM/Universal

Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 4 / 2018



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