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Komische Oper (c) Gunnar Keller

Startschuss fürs Opernglück

Premierentipps 2018/19

Der Sommer geht zu Ende, und die Spielpläne sind veröffentlicht. Stellvertretend für die Leser haben unsere RONDO-Opernkritiker Matthias Siehler (ms), Robert Fraunholzer (rfr) und Regine Müller (rem) schon einmal die Premierenankündigungen durchforstet. Sie empfehlen, je nach Regieteam, Sängerinnendebüt oder Rarität im Spielplan, worauf Sie sich in der Saison 2018/19 freuen dürfen.

6. September: Stadttheater Minden / Richard Wagner: „Die Götterdämmerung“

Der Mindener „Ring“ rundet sich mit dem letzten Teil der Tetralogie. Die beispiellose Initiative des örtlichen Wagner-Verbandes plus jede Menge Bürgerstolz machen das minimalistische Wunder möglich, das mit erstaunlichem Niveau – auch sängerisch! – imponiert. (rem)

18. September: Théâtre Royal de la Monnaie, Brüssel (B) / Wolfgang Amadeus Mozart: „Die Zauberflöte“

Der an den Grenzen zur Installation arbeitende und das Narrative meidende Romeo Castellucci verblüffte bereits mit einer erstaunlichen „Matthäuspassion“ in Hamburg, jüngst triumphierte er in Salzburg mit einer magisch verdichteten „Salome“. Ob er Mozarts Evergreen neue Einsichten abringt? (rem)

23. September: Opernhaus Zürich (CH) / Franz Schreker: „Die Gezeichneten“

Mit ihrem dekadenten Sujet sind „Die Gezeichneten“ ein Leckerbissen für eine kraftvolle – und sinnlicher Opulenz nicht abholde – Regie-Pranke. Vermutlich gerade recht für Barrie Kosky, im Graben steht Vladimir Jurowski, die Carlotta gibt Catherine Naglestad, die in dieser Rolle bereits in München reüssierte. (rem)

28./29. September: Opéra national de Paris (F) Giacomo Meyerbeer: „Les huguenots“ / Michael Jarrell: „Bérénice“

Die Pariser Oper feiert 2019 ihren 350. Geburtstag. Und klotzt gewaltig. Vor allem mit reisefreundlichen Premieren-Paketen. Das erste bündelt Meyerbeers hier ewig nicht gespielte Grand Opéra in Starbesetzung plus Michael Jarrells neues Musiktheater nach Racine. (ms)

29. September: Oper Halle / Giacomo Meyerbeer: „Vasco da Gama“

Festwochen für Meyerbeer-Fans. Das entdeckerfreudige Haus zeigt dessen Musiktheater-Schwanengesang in der Urfassung in ihrer neuen, „Babylon“ benannten Raumbühne und verändert die Inszenierung in zwei weiteren Spielblöcken in Richtung Afrika. (ms)

6. Oktober: Nationaloper, Amsterdam (NL) / Leoš Janáček: „Jenůfa“

Unter der neuen Leitung von Sophie de Lint kehrt eine gute Bekannte zurück nach Amsterdam: Die detailversessene Katie Mitchell inszeniert Janáčeks Arme-Leut-Oper, im Graben steht Tomáš Netopil, Annette Dasch gibt ihr Rollendebüt als Jenůfa. (rem)

14. Oktober: Staatsoper, Wien (A) / Hector Berlioz: „Les troyens“

Die Berlioz-Inszenierung von David McVicar war schon in London und San Francisco. Doch mit Joyce DiDonato (als Didon) hat man einen Super-Joker im Ärmel. Und mit Brandon Jovanovich einen guten Énée. (rfr)

4. November: Staatsoper Hannover / Jacques Offenbach: „König Karotte“

Ähnlich wie „Madame Favart“ gehört auch „König Karotte“ zu den großen, vergessenen Stücken von Offenbach. Der wird 200. Höchste Zeit, einmal nicht nur „Hoffmanns Erzählungen“ (etc.) zu spielen! Matthias Davids inszeniert. (rfr)

15. November: Teatro alla Scala, Mailand (I) / György Kurtág: „Fin de Partie“

Kein Mensch hat mehr daran geglaubt, aber Scala-Intendant Alexander Pereira hat seinen Salzburger Kompositionsauftrag ausgesessen. Einen Akt und ein paar Szenen der Beckett-Vertonung des 92-jährigen György Kurtág bringen Markus Stenz und Pierre Audi heraus. (ms)

7. Dezember: Opéra national du Rhin, Strasbourg (F) / Jacques Offenbach: „Barkouf“

Die wichtigste Wiederentdeckung im ausufernden OEuvre des 200-jährigen Jacques Offenbach. Der opulent-exotische Dreiakter über einen singenden Hund – erst in Straßburg, dann in seiner Geburtsstadt Köln. (ms)

22. Dezember: Bayerische Staatsoper, München / Bedřich Smetana: „Die verkaufte Braut“

Mit einer Traumbesetzung setzt sich München an die Tschechien- Spitze, doch Smetanas Meisterwerk gibt es auch in Leipzig und Dresden, sowie einiges andere, auch von Dvořák. Boom-Ursache, auch in Prag und Brünn: die 100-jährige Staatsgründung. (ms)

22. Januar 2019: Opéra Bastille, Paris (F) / Hector Berlioz: „Les troyens“

Regisseur Dmitri Tcherniakov verspricht in Paris ein sicheres Händchen fürs Großformat, im Graben steht Philippe Jordan, der Sänger-Cast allein ist ein Grund zum Hinfahren: Stéphanie d’Oustrac als Cassandre, Véronique Gens als Hécube, Bryan Hymel als Énée, Elīna Garanča als Didon. (rem)

10. Februar: Bayerische Staatsoper, München / Ernst Krenek: „Karl V.“

Die Zwölftonoper von Ernst Krenek gehört nicht unbedingt zu den Sahnetorten des Repertoires. Aber doch zu den unbekannten Meisterwerken des 20. Jahrhunderts. Inszeniert von Carlus Padrissa („La Fura dels Baus“), mit Bo Skovhus als Habsburger. (rfr)

16. Februar: Theater an der Wien (A) / Felix Mendelssohn: „Elias“

Mendelssohns Oratorium ist keine Oper. Doch mit Christian Gerhaher in der Titelrolle (Regie: Calixto Bieito) lässt man sich gern eines Neuen belehren. Es dirigiert Jukka-Pekka Saraste. Die wohl interessanteste Premiere von Wien! (rfr)

13. April: Staatsoper Unter den Linden / Berlin Sergei Prokofjew: „Die Verlobung im Kloster“

Steilvorlage für Regisseur Dmitri Tcherniakov und Dirigent Daniel Barenboim: Der Kloster-Schocker von Sergei Prokofjew ist eine herrlich abgedrehte Entdeckung. Und mit Aida Garifullina super besetzt. (rfr)

24. April: Opera Vlaanderen, Antwerpen (B) Hèctor Parra: „Les Bienveillantes“

Zum Abschied seiner Antwerpener Intendantenzeit hat Aviel Cahn eine sicher kontroverse Uraufführung bestellt. Hèctor Parra vertont den schrecklichen Roman von Jonathan Littell über einen schwulen SS-Massenmörder, Blutspezialist Calixto Bieito inszeniert. (ms)

28. April: Deutsche Oper, Berlin / Detlev Glanert: „Oceane“

Zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane hat sich Detlev Glanert den Novellenentwurf „Oceane von Parceval“ vorgeknöpft. Kennt kein Mensch. Doch Robert Carsen inszeniert, und Maria Bengtsson singt die Titelfigur. Genügt. (rfr)

31. Mai: Komische Oper, Berlin / Paul Abraham: „Roxy und ihr Wunderteam“

Die Wiederentdeckung von Paul Abraham schreitet voran. Nein: Sie dribbelt! Diese Fußballoperette von 1937 brachte zuletzt Operetten-Stadien in Dortmund und Augsburg zum Brummen. In Berlin, bitteschön, besetzt mit den Geschwistern Pfister. (rfr)

7. Juni: Pfingstfestspiele, Salzburg (A) / Georg Friedrich Händel: „Alcina“

Wieder einmal wetzt Koloraturdiva Cecilia Bartoli das Kastrationsmesserchen und lässt bei ihrem eigenen Festival die Countertenöre los. Sie selbst aber verführt als zauberische Händel- Magierin vergeblich Philippe Jaroussky. (ms)

21. Juni: Opera Vlaanderen, Antwerpen (B) / Giuseppe Verdi: „Macbeth“

Michael Thalheimer, der große Verdichter komplexer Stoffe, macht sich in Antwerpen nach seiner wuchtigen Version von „Otello“ mit „Macbeth“ an das Schocker-Schwesternwerk Verdis, im Graben steht Paolo Carignani. (rem)

Rondo Redaktion, RONDO Ausgabe 4 / 2018



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