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Marc-André Hamelin (c) Sim Canetty-Clarke

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Sopranistin Asmik Grigorian, der soeben ein sensationeller Publikumserfolg als Salome bei den Salzburger Festspielen gelang, muss Rollen mögen, um sie singen zu können. „Ich hätte gern Tosca gesungen, und man hätte es auch gern mit mir gemacht“, so Grigorian. „Ich mochte die Figur nicht. Denn ich habe sie nicht verstanden.“ Der Hintergrund sei: „Ich bin eine schlechte Schauspielerin. Ich muss die Figur sein können. Spielen kann ich sie nicht“, so Grigorian. Bei Salome handele es sich darum, der Rolle „möglichst viele lyrische Farben abzugewinnen“. Man brauche Power in der Stimme. „Aber man darf doch nicht klingen wie big mama.“
Der kanadische Pianist Marc-André Hamelin hält wenig vom Image, ein „Super-Virtuose“ zu sein – das ihm Kritiker Harold C. Schonberg verpasst hat. Als Schonberg dies schrieb, war Hamelin „26 Jahre alt und mächtig stolz. Es war meine Chance – so dachte ich jedenfalls damals“, so Hamelin. „Wenn ich Mitschnitte von meinen Konzerten höre, muss ich manchmal zugeben, dass ich schneller spiele als ich sollte und als ich möchte“, so Hamelin in seinem Haus in der Nähe von Boston. „Inzwischen arbeiten meine Agentur und ich seit vielen Jahren daran, dieses Bild wegzukriegen. Allerdings habe ich festgestellt: Es ist leichter, ein Image verpasst zu bekommen als es wieder loszuwerden.“
Die Intendantin der Berliner Philharmoniker, Andrea Zietzschmann, redet den künftigen Chefdirigenten Kirill Petrenko mit Vornamen an. „Ich sage ‚Kirill’“, so Zietzschmann in Berlin. Auf keinen Fall „Maestro“! Diese altmodische Anrede, die heute noch vielerorts gebräuchlich ist, „mochte schon Claudio Abbado nicht“, so Zietzschmann. „Und Simon Rattle“, wenn man ihn als Maestro ansprechen wollte, „hätte wahrscheinlich einen Lachanfall bekommen.“
Der Alte Musik-Guru Jordi Savall (77), dessen Ehefrau Montserrat Figueras 2011 starb, hat wieder geheiratet (schon vor einem Jahr). Und zwar die Niederländerin Maria Bartels, die er, wie er jetzt in Spanien der Presse erzählte, bereits vor 30 Jahren kannte. „Montserrat und ich hatten beschlossen, eine etwas freiere Phase in unserer Beziehung einzulegen“, so Savall. „Damals schon liebte ich Maria. Aber das alles wäre, da die Kinder noch klein waren, zu kompliziert geworden …“ Nach dem Tod von Figueras traf man sich wieder. Die beiden leben im katalonischen Bellaterra (in der Nähe von Barcelona).
Der israelische Dirigent Lahav Shani (29) ist der vielleicht am heftigsten promotete Nachwuchs-Name. Bei einer Tournee mit dem West Eastern Divan Orchestra, das Shani als bisher einziger Gastdirigent außer Pierre Boulez dirigieren durfte, forderte Daniel Barenboim das Publikum auf, den Namen des jungen Mannes laut zu skandieren (weil man ihn sich merken müsse): „La-hav Sha-ni, La-hav Shani …“. – „Oh je, es war sogar eine Tournee!“, erinnert sich Shani. „Und jedes Mal wieder“, darunter auch in der Berliner Waldbühne, „hat Barenboim diesen Witz gemacht“. Hat sich ausgezahlt. Inzwischen ist Shani designierter Chef des Rotterdam Philharmonic Orchestra und ab 2020 Nachfolger von Zubin Mehta beim Israel Philharmonic Orchestra.
Sopran-Legende Renata Scotto (84) ist nach Jahrzehnten in New York in ihr Heimatland Italien zurückgekehrt. Zumindest im Sommer. In Noli, unweit von ihrem Geburtsort Savona (westlich von Genua), bewohnt sie ein Sommerhaus gemeinsam mit ihrem Mann, dem Geiger Lorenzo Anselmi. „Nicht weit vom Strand“, so Scotto. Die erwachsenen Kinder Filippo und Laura leben in den USA. Sie selber unterrichtet an der Metropolitan Opera und an der Juilliard School. „Aber nicht bei mir zuhause!“, so Scotto. „Wenn ich die Tür hinter mir zumache, will ich keine Sängerin mehr sein, sondern nur Frau, Ehefrau und Mutter.“ Um zu unterrichten, verreise sie. „Die Luft ist herrlich hier“, so Scotto über ihre neue, alte Heimat.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 4 / 2018



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