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N° 1282
03. - 09.12.2022

nächste Aktualisierung
am 10.12.2022



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Teodor Currentzis (c) Nadia Rosenberg

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Dem exilgriechischen Dirigenten Teodor Currentzis (46) geht sein öffentliches Bild auf die Nerven. „Wenn es um mich geht, schreiben die Leute immer gern darüber, was ich für merkwürdige Hosen trage und mit welchen Schuhen ich auf die Bühne komme“, so Currentzis am Rande seiner Beethoven-Aufnahmen in Wien. „Auch meine Haare sind ein beliebtes Thema.“ In Wirklichkeit „ist es so, dass ich in denselben Hosen, in denselben Schuhen und mit derselben Frisur auf die Bühne komme, die man auch außerhalb des Theaters an mir wahrnehmen kann“, so Currentzis. Wenn er erst einmal damit anfangen würde, im Frack vors Orchester zu treten, müsste er es immer tun. „Das geht mir zu weit.“ Kunst sei kein Festtagsball. „Ich bin deswegen aber noch lange kein enfant terrible und kein Punk.“
Dirigent Simon Rattle und seine Frau, die Mezzo-Sopranistin Magdalena Kožená, bleiben auch nach dem Ende der Amtszeit bei den Berliner Philharmonikern in Berlin, um die Sprache, die ihre drei Kinder gelernt hätten, nicht zu gefährden. „Die deutsche Sprache haben meine Kinder gleichsam gratis dazu gekriegt“, so Kožená. „Es wäre ein Jammer, das einfach wegzuschmeißen.“ Auf der Privatschule, die sie für ihre Kinder gefunden hätten, gebe es außerdem guten Musikunterricht. Man widme sich nicht nur klassischer Musik, sondern auch den Beatles. „Dafür“, so Kožená, „hat sich Simon nicht einmal extra einsetzen müssen.“
Opernregisseurin Andrea Breth hadert mit jedem ihrer Aufträge. „Bei jeder Arbeit denke ich irgendwann, dass ich mich erschieße“, sagte sie kurz vor ihrer „Médée“-Premiere an der Berliner Staatsoper. „Ich habe bei etlichen Angeboten den Intendanten geantwortet: ‚Ihr habt sie doch nicht mehr alle!’“ Wenn sie dann trotzdem annehme, „kriege ich Angstschübe“. Durch Spaziergänge und langes Nachdenken arbeite sie das dann irgendwie weg. „Ich bin nicht angenehm für meine Umwelt, wenn ich arbeite.“
Alte Musik-Guru René Jacobs (72) glaubt, dass er im Alter dem Dirigenten Herbert von Karajan immer ähnlicher wird. „Wenn ich es selber in der Hand habe, mache ich es tatsächlich so wie Karajan“, so Jacobs in Paris. „Ich will mit Sängern arbeiten, die ich total kenne.“ Wenn er Aufnahmen anderer Dirigenten höre, halte er meist nicht aus, „was die Sänger mit der Musik anstellen“. Das betreffe vor allen Dingen die Verzierungen. Diese seien im 18. Jahrhundert nach einem strengen Regelwerk vorgenommen worden. „Und diese Regeln kennen heutige Sänger nicht mehr“, so Jacobs. Das sei der Grund dafür, dass er die Verzierungen jedes Mal ausschreibe „und den Sängern mit auf den Weg gebe“, so Jacobs.
Pianistin Martha Argerich (77) ist im Bad gefallen und musste mehrere Auftritte absagen. Sie zog sich Verletzungen an der Hand, am Rücken und am Kopf zu, wird berichtet. Argerich hatte schon früher vor allem solche amerikanische Orchester mit Absagen abgestraft, welche die Arbeitsbeziehungen zu ihrem Ex- Mann Charles Dutoit abgebrochen haben. Dutoit ist zahlreichen MeToo-Vorwürfen ausgesetzt.
Komponist und Dirigent Peter Eötvös glaubt nicht, dass man religiös sein müsse, um sakrale oder ‚gläubige’ Musik aufzuführen. „Ich bin nicht religiös“, sagte er in Budapest. „Also muss es auch anders gehen.“ Mit dem zutiefst religiösen Karlheinz Stockhausen habe er seit 1966 vielfach zusammengearbeitet. Dabei sei es nicht ein einziges Mal um religiöse Gehalte gegangen. „Vielleicht ist es sogar dieser Gegensatz, der Stockhausen und mich so gut zusammen gehalten hat. Wir sind nie aneinandergeraten.“
Sopranistin Simone Kermes beschäftigt in ihrem Orchester, den „Amici Veneziani“, nur Männer. „Ich will nur noch mit Freunden spielen, mit denen es Ehrlichkeit und Qualität gibt.“ Die seien alle männlich. „Ich hatte auch schon Frauen mit dabei, aber das ergibt die kleinere Power“, so Kermes. „Männer machen mir mehr Dampf.“

Robert Fraunholzer, 20.10.2018, RONDO Ausgabe 5 / 2018



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