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Printemps des Arts

Frühling der Moderne

Auf Neue Musik gesetzt: Im Spielerparadies Monte- Carlo feiert dieses Festival erfolgreich die zeitgenössische Musik.

Man darf nicht nur träumen, sondern muss etwas wirklich wollen.“ Die Ansage von Intendant Marc Monnet ist deutlich – und überrascht doch: Schließlich leitet der Franzose nicht irgendein Festival, sondern prägt den Printemps des Arts – und das mit einer Handschrift der Moderne! Ausgerechnet in Monte-Carlo, wo dem Besucher Glamour und unübersehbarer Reichtum auf Schritt und Tritt begegnen: Ob nun die Luxus-Boutiquen und edlen Schmuckgeschäfte von Prada bis Cartier, das berühmte Hôtel de Paris, wo kaum ein Zimmer unter 1000 Euro zu bekommen ist und vor dem sich Lamborghini an Maserati, Rolls- Royce an Ferrari reihen, oder das legendäre Casino gleich nebenan – ein Fürstentum de luxe, das nicht nur auf Touristen aus aller Welt eine magische Anziehungskraft ausübt.
Dass indes auch Musiker sich für den dortigen „Frühling der Künste“ begeistern, läge neben dem Blick aufs Mittelmeer und dem Charme der Strandpromenade vor allem daran, dass die Macher des Printemps des Arts schon seit jeher Neues unterstützt hätten und künstlerische Risiken eingegangen seien, sagt Dirigent François-Xavier Roth: „Damit bietet dieses Festival hier einen sehr schönen Kontrapunkt.“ Setzt Monnet doch trotz all des Glanzes der Grimaldi-Familie und des sonstigen Star-Auflaufs an der Côte d’Azur in seinem Programm auf die weniger leicht konsumierbare Moderne, finden sich in den 19 Konzerten an fünf langen Wochenenden im März und April mehr Werke eines Kagel, Ives und Crumb als in der ganzen Saison so manch deutschen Stadtorchesters. Dass Monnet dabei keineswegs nur ein paar Farbtupfer im internationalen Festivalbetrieb setzen möchte, zeigen die begleitenden Meisterklassen, Konzerteinführungen oder Musiker-Gespräche. Und nicht zuletzt auch die eigene CD-Reihe: „Ich wollte einfach ein Archiv der Künstler und Werke unseres Festivals aufbauen“, erläutert der Intendant seine Idee. Neun Alben sind bislang erschienen, und so manches Werk, ja sogar Komponistennamen wie Claude Le Jeune oder Johannes Schöllhorn dürften selbst für Klassikliebhaber eine Neuentdeckung sein. „Natürlich geht es auch darum, sich international zu positionieren“, macht der 71-Jährige keinen Hehl aus dem Imagegewinn durch die Serie, „doch vor allem sind diese Aufnahmen ein Spiegel unserer Arbeit, die wir so weiter vertiefen können.“

Vom Adel verpflichtet

Eben dieses vertiefende Moment war auch einer der Beweggründe gewesen, als Prinzessin Caroline von Hannover den Kagel-Schüler Monnet vor sechzehn Jahren nach Monaco holte. Leser der Regenbogenpresse mag das überraschen, doch wer die Schirmherrin des Printemps des Arts in Monte-Carlo erlebt und mit Vertrauten spricht, dem bietet sich auf einmal ein ganz anderes Bild der aus den Klatschspalten der Zeitschriften und den Tratschberichten des Fernsehens scheinbar wohlvertrauten Blaublüterin. Studierte sie doch einst nicht nur selbst Querflöte am Konservatorium und macht sich bis heute für Literatur, Kunst und Musik im Fürstentum stark: Nein, sie mischt sich durchaus auch ein „und hinterfragt programmatische Zusammenhänge“, erzählt Festival-Generalsekretär Jean-Charles Cureau. Denn, so sagt es die Prinzessin selbst, es gehe darum, neue Erfahrungen zu machen und die Musik von morgen zu kreieren: „Eben dies hat die Kultur im Fürstentum schon immer beflügelt, seit große Künstler hier aufgetreten sind.“
Wer hinter solchen Sätzen nur hehre Worte vermutet, der wird beim Blick auf den Staatsetat – fast sieben Prozent gehen in die Kultur(-Vermittlung) – ebenso überrascht wie von der Monegassin selbst. Die ist nämlich nicht allein Schirmherrin des renommierten Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo und hat in den 80er- Jahren mit den Ballets de Monte- Carlo gleich noch einen zweiten Kultur- Exportartikel neu etabliert, sondern taucht auch gern einmal in den Festival-Konzerten auf. Gilt sie doch als leidenschaftliche Verfechterin der Moderne, und das keineswegs nur im Tanzbereich. Oder mit ihren Worten: Die Tradition zu lieben, bedeute eben nicht, in der Vergangenheit zu verharren, sondern das Feuer weiterzutragen – gerade in Monte-Carlo. Und so huscht sie oft kurz vor Konzertbeginn in die Fürstenloge im monegassischen Opernhaus oder in die letzte Reihe im „Auditorium Rainer III.“, nur kein Aufhebens machen, schon gar nicht die Aufmerksamkeit des zu ihren Füßen sitzenden Publikums auf sich ziehen – allein wer beim Schlussapplaus rasch genug den Kopf nach oben wendet, vermag zumindest noch einen kurzen Blick auf Ihre Königliche Hoheit zu erhaschen, die auch schon wieder durch die Logentür entschwindet. Die Schlagzeilen, die sollen allein den Musikern des Printemps des Arts gehören.

Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo:

15.3. - 14.4.2019
www.printempsdesarts.com


Beste Erziehung

Klingende Künstlernamen finden sich im Programm des kommenden Frühjahrs: Ob Geiger Renaud Capuçon, Cellist Jean-Guihen Queyras oder die international renommierten heimischen Philharmoniker Monte-Carlos – Intendant Marc Monnet weiß die Musiker mit seinem inhaltlichen Ansatz zu locken. Ebenso wie die Zuhörer, die sich auf Uraufführungen, einen Kagel-Film (!) oder traditionelle Lieder aus der Mongolei freuen können: „Marc hat das Publikum hier wirklich erzogen, dessen Horizont geweitet und den Menschen gezeigt, dass auch die Moderne verträglich sein kann“, begeistert sich Stammgast François- Frédéric Guy – der Pianist wird 2019 in Monaco mit der Sinfonia Varsovia zu Gast sein.


Christoph Forsthoff, RONDO Ausgabe 6 / 2018



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