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(c) Julia Wesely

Felix Klieser

Reif für Mozart

Für seine Einspielung der vier Hornkonzerte holte sich der junge Hornist Inspiration in der Geburtsstadt des Komponisten.

Für jeden Hornisten, der etwas auf sich hält, zählen die vier Konzerte, die Mozart für dieses Instrument komponierte, zum absoluten Standardrepertoire, das man sich nicht entgehen lassen will. Auch für Felix Klieser war es quasi Liebe auf den ersten Blick, als er als Neunjähriger bei „Jugend musiziert“ einen Kollegen mit dem zweiten Satz aus dem Konzert Nr. 3 erlebte und seinen Lehrer umgehend danach fragte, was er da gerade gehört hatte. „Der dachte damals, dass ich eigentlich noch zu jung dafür bin, hat mir dann aber doch die Noten und eine Aufnahme mit Hermann Baumann und Pinchas Zukerman gegeben. So habe ich diese Musik kennengelernt und bald auch das erste Mal selbst gespielt.“ Natürlich ließen auch die restlichen drei Konzerte nicht lange auf sich warten und haben Felix Klieser seither in seiner noch jungen Karriere regelmäßig begleitet.
Dass es bis zum nun vorliegenden Mozart-Album dennoch so lange gedauert hat, ist für ihn leicht erklärt. „Natürlich hätte mein Label das schon gerne früher gehabt, aber ich habe immer darauf bestanden, dass ich das erst noch öfter im Konzert spielen möchte. Mit unterschiedlichen Orchestern und Dirigenten, weil man mit jedem Mal andere Sichtweisen kennenlernt und damit wächst.“ Dass man ihm diese Zeit gegeben hat, um sich selbst zu entwickeln, weiß er daher sehr zu schätzen. Gerade weil dies heute, wo Karrieren für viele scheinbar fast schon auf der Überholspur absolviert werden müssen, im Konzertbetrieb keine Selbstverständlichkeit mehr ist. „Es gibt viele berühmte Aufnahmen der Hornkonzerte, die dann natürlich gerne als Vergleich herangezogen werden. Da kann man sich ganz schön auf den Hosenboden setzen. Ich finde es immer interessant, wie viele junge Musiker als erstes Mozart aufnehmen. Egal welches Instrument sie spielen. Seine Musik mag technisch vielleicht oft auf den ersten Blick nicht so komplex wirken. Aber was die Musikalität betrifft, die man dafür braucht, sind seine Kompositionen unglaublich vielschichtig. Manchmal ist es nur ein einziger Ton, eine Sechzehntelnote, die man exakt erwischen muss, weil sonst der ganze Charakter verlorengeht. Es braucht schon eine gewisse Reife, um das zu spielen.“

Salzburg im Takt

Ein weiterer Grund, die vier Hornkonzerte nun endlich auf CD zu bannen, war neben der inzwischen gesammelten Lebenserfahrung vor allem die Gelegenheit, hierfür mit der Camerata Salzburg zusammenarbeiten zu können. Noch während der Proben zu seinem Auftritt bei der diesjährigen Salzburger Mozartwoche funkeln wieder Kliesers Augen, wenn er sich an die Aufnahmesitzung im vergangenen Herbst erinnert. „Ich war sehr glücklich, als sie für das Projekt zugesagt haben. Es gibt natürlich viele gute Kammerorchester – aber Mozart richtig zu spielen, das ist nochmal eine ganz eigene Kategorie, ein eigener Kosmos. Und die Camerata ist ein Ensemble, das wie nur wenig andere für die Musik der Wiener Klassik prädestiniert ist. Da muss man nicht lange über Dinge wie Klangfarben diskutieren, weil es förmlich aus ihnen heraussprudelt.“ Es lief sogar so harmonisch zwischen ihm und den Salzburgern, dass die Aufnahmen bereits einen Tag früher als geplant beendet werden konnten. „Ich wollte es auch bewusst ohne Dirigenten aufnehmen, denn eigentlich ist es für mich Kammermusik, bei der es wichtig ist aufeinander zu hören und direkt miteinander zu kommunizieren. Und das ist es, was die Musikerinnen und Musiker der Camerata wirklich sehr gut können.“
Salzburg hat in Sachen Mozart eben eine ganz besondere Aura. Hier, wo der Komponist um jede Ecke lugt – sei es als Süßigkeit, auf Kaffeetassen oder als Quietsche- Ente für die Badewanne – fühlt man sich dem wohl bekanntesten Sohn der Stadt verpflichtet. „Wenn ich Mozart in Salzburg spiele, ist das ein anderer Mozart als bei meinem Konzert im Herbst in Taiwan. Er klingt immer anders. Aber das macht es ja erst spannend. Bei Mozart kann man jedes Mal etwas Neues entdecken.“ Und so fällt es Felix Klieser auch schwer, unter den Konzerten einen Favoriten zu wählen. „Er hat diese vier Stücke für seinen guten Freund Joseph Leutgeb geschrieben, was die Sache sehr persönlich macht. Es gibt zwar keine Briefe, aber Mozart hat in die Noten viele kleine Botschaften hineingeschrieben. Das Dritte war natürlich mein Einstieg und ist bis heute das Vertrauteste. Ich mag es sehr gern, weil es die typischen Eigenarten von Mozart kombiniert. Dieses schnelle emotionale Wechseln von fröhlich und traurig, das macht für mich den Charme und auch das Menschliche in seiner Musik aus.“

Neu erschienen:

Wolfgang Amadeus Mozart

Die Hornkonzerte

Felix Klieser, Camerata Salzburg

Berlin Classics/Edel


„Für Sie, Herr Esel!“

Wie bei vielen seiner Werke hatte Mozart auch beim Komponieren der vier Hornkonzerte einen ganz speziellen Musiker im Hinterkopf. Mit Joseph Leutgeb verband ihn trotz 24 Jahren Altersunterschied eine tiefe Freundschaft, die durch zahlreiche humorvolle Anekdoten belegt ist, die von den Besuchen des Wiener Hornvirtuosen im Hause Mozart berichten. Mögen auch Carl Ditters von Dittersdorf sowie Joseph und Michael Haydn ihm einige Konzerte auf den Leib geschneidert haben, erinnert man sich an Leutgeb heute doch vor allem durch die Beziehung zu Mozart und seiner Frau Constanze, die er später auch bei der posthumen Veröffentlichung der Hornkonzerte finanziell unterstützte.


Tobias Hell, RONDO Ausgabe 1 / 2019



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