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(c) Nikolaj Lund

Daniel Röhn

Goldenes Händchen

Dieser Violinist kommt aus der berühmten Chumachenco-Klasse. Er lässt sich Zeit – und liebt den goldenen Ton der Zwanziger.

Puh, eine solche Familie könnte durchaus auch eine Last sein. Der Großvater Erich Röhn war Konzertmeister bei den Berliner Philharmonikern, Vater Andreas in gleicher Position im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Die schwedische Mutter Kerstin Hindart ist Pianistin, und Schwester Anja Röhn spielt ebenfalls Geige. Aber nein, für Violinvirtuose Daniel Röhm kein Problem: „Mein Vater war kein Türöffner, höchstens mal ein Erleichterer, wenn es darum ging, einem Dirigenten vorspielen zu dürfen. Aber auch nie eine Belastung, ich bin stolz auf meine Familie und wollte immer nur Eines – Geige spielen.“ Und das schon sehr früh: Ein gelber Tennisschläger und ein blauer Schuhlöffel, das waren sein erster, noch saitenloser Ersatz.
Schnell hatte Daniel Röhn ein richtiges Instrument in der Hand, krisenlos übte der Junge weiter, und schnell wurde deutlich, dass da ein überdurchschnittliches Talent heranwächst. Mit neun Jahren spätestens stand das fest. Papa unterrichte ihn, später eine weitere Lehrerin, schließlich Münchens Geigendrillerin Ana Chumachenco. Da war er 14, und Abitur war eh nicht drin, dafür ein Stipendium der Anne-Sophie Mutter Stiftung.
War die Chumachenco eine Mädels-Lehrerin? Schließlich kamen (neben Linus Roth) vor allem Julia Fischer, Veronika Eberle, Arabella Steinbacher und Lisa Batiashvili aus ihrer Schmiede. „Nein“, meint Röhn, „die Damen waren nur vom Markt gefragter, das war damals eben der Trend.“ Es war immer Wettbewerbsatmosphäre, aber keine Stutenbeißerei. Was die beiden Herren nicht davon abgehalten hat, ebenfalls Karriere zu machen. Nur etwas ruhiger. Letztes Jahr dann haben sie alle zusammen mit Chumachenco beim Rheingau Musik Festival gespielt. „Alle sind noch wie immer, da hat sich nichts verändert. Wir verstehen uns. Überraschend gut.“
Daniel Röhn wusste aber auch, er wollte Solist werden. „Vor einem Orchester habe ich, wohl wegen meines Vaters beim BRSO, so eine Art Überrespekt entwickelt.“ Sehr bewundert hat er zudem dessen Chefdirigenten Lorin Maazel, schon weil der auch ursprünglich Geiger war. Und seine einjährige Tochter liebt ihn im Fernsehen ebenfalls. Röhn hat es allein geschafft. Direkt nach der Hochschule, auch unter Maazel hat er mit dem BRSO konzertiert. Eben hat er seine vierte CD vorgelegt, die zweite bei seinem aktuellen Label: „The Golden Violin“, eine klingende Reminiszenz an die Zwanziger im alten Europa. Dass das nicht nur aufgrund der TVSerie „Babylon Berlin“ gerade im Trend liegt – umso besser. Überdies knüpft das Album thematisch gekonnt an seinen Vorgänger „The Kreisler Story“ an.
Mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter Case Scaglione geht die zum Teil extra neu arrangierte Reise über Gershwin, Heifetz (als Komponist!), Gottfried Huppertz, Kurz Weill, Charlie Chaplin, Rachmaninow bis zu Friedrich Hollaender. „Natürlich ist das auch eine Hommage an Jascha Heifetz“, gibt Daniel Röhn zu. „Ich finde es wunderbar, wie er große und kleine Musik mit dem gleichen Ernst, Esprit und Eleganz spielt. Mit goldenem Ton.“

Neu erschienen:

The Golden Violin – Music Of The 20s

Daniel Röhn, Württembergisches Kammerorchester, Case Scaglione

Berlin Classics/Edel

Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 1 / 2019



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