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(c) Thomas Ziegler

Händel-Festspiele Halle

Frauenpower

In der Geburtsstadt des Barock-Meisters kreist das diesjährige Programm um Frauenfiguren in der Musik der Händel-Zeit.

In der ersten Jahreshälfte hat der passionierte Händel-Fan die Wahl zwischen drei Festivals: Den Anfang machen Ende Februar die Händel-Festspiele in Karlsruhe – das jüngste der Festivals. Im Mai folgen die Händel-Festspiele in Göttingen mit ihrer ungebrochenen Tradition seit 1920. Und schließlich starten im Juni die Festspiele in Halle an der Saale, deren besonderer Charme auch darin besteht, dass Georg Friedrich Händel Anno 1685 daselbst geboren wurde, wovon nicht nur das Händel-Haus im Zentrum der Altstadt Zeugnis ablegt. Es sind auch die zahlreichen authentischen Spielstätten, die einen weiten programmatischen Bogen ermöglichen zwischen historischer Aufführungspraxis und neuester Händel-Exegese mit starken Regiehandschriften im Hallenser Opernhaus.
Seit dem vergangenen Jahrgang darf Halle sich mit der Produktion von „Berenice, Regina D’Egitto“ rühmen, als erste Stadt überhaupt alle 42 überlieferten Händel-Opern gespielt zu haben. Das dramaturgisch heikle Werk zeigte Regisseur Jochen Biganzoli als spritzige Revue mit ernsten Untertönen im Takt der Smartphone-Kommunikation der Gegenwart: Bildergalerien von Datingportalen, Twitter- und WhatsApp-Chats spiegelten das Bühnengeschehen und trieben es voran. Diese sprühende Produktion wird in diesem Jahr wieder aufgenommen, hinzu kommt im Opernhaus eine Neuproduktion, die es auch in sich haben dürfte: Regietheater-Titan Peter Konwitschny inszeniert „Giulio Cesare“, im Graben steht Michael Hofstetter, das Sänger-Ensemble rekrutiert sich traditionell aus dem Hallenser Opern-Ensemble. Als Kontrastprogramm zu den rasanten Aktualisierungen im Opernhaus verstehen sich die Aufführungen im historischen Goethe-Theater in Bad Lauchstädt, die häufig nicht nur den historisch informierten Ton auf alten Instrumenten anschlagen, sondern auch die barocken Inszenierungs-Rituale penibel nachstellen. In diesem Jahr ist in Lauchstädt mit Daniel Pflugers Inszenierung von „Il Pastor fido“ aber wohl eine eher zeitlos entschlackte Händel-Lesart zu erwarten.
Der rote Faden des mehr als 100 Veranstaltungen umfassenden Programms spannt sich weit unter dem zugegeben etwas pathetisch klingenden Motto „Empfindsam – heroisch – erhaben. Frauenfiguren in der Musik zur Zeit Händels“. Es bietet neben einer fast unüberschaubaren Fülle von Konzerten auch Analytisches zu Händels Frauenfiguren in Form von Festvorträgen und einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz. Einige Konzertformate sind passgenau auf das Motto zugeschnitten, wie etwa „A Fine Lady: Kitty Clive – Händels Muse im Drury Lane“, das die Lauten- Queen Christina Pluhar für ihr Ensemble L’Arpeggiata konzipiert. Ansonsten gibt es Orgel-, Kammer- und Wandelkonzerte, die ganze Stadt wird bespielt von internationalen Spitzenkräften der Alten Musik. Allein für die Garde der Sängerinnen, die nach Halle kommen, lohnt die Reise an die Saale. Um nur eine subjektive Auswahl zu nennen: die delikat samtige Hana Blažíková, die feurige Vivica Genaux, die biegsame Anna Prohaska und die wunderbar strahlende Karina Gauvin.


Händel-Festspiele Halle 2019

„Empfindsam – heroisch – erhaben“
31. Mai – 16. Juni
www.haendelfestspiele-halle.de
Tickets: +49 (03 45) 5 65 27 06


Regine Müller, RONDO Ausgabe 1 / 2019



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