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(c) Agathe Poupeney

Opéra de Versailles

Französische Klangjuwelen strahlen

Feuerwerke finanzieren Musiktheater: Die vor zehn Jahren renovierte Opéra de Versailles boomt als Schmuckstück.

Man nennt das eine Win-Win-Situation. Endlich investiert das weltberühmte Schloss von Versailles als eigenständige GmbH in sein historisches, fein renoviertes Opernhaus. Und das trägt im Gegenzug mit seinem üppigen Musikangebot wiederum zu Ruhm und Ehre des absolutistischen Bauwerks bei. Seit zehn Jahren geht das nun schon so, die Eventabteilung, hier „Spectacles“ genannt, kümmert sich. Grund genug, Jubiläum zu feiern.
Denn Oper wurde im royalen Versailles paradoxerweise selten gegeben. Man spielte in den vorgelagerten Stallungen, den Grand Écuries. Die kunstliebende Marquise de Pompadour installierte auf der Gesandtentreppe das Théâtre des Petits Appartements, und Marie Antoinette pflegte weitab im Park, im Théâtre de la Reine des Petit Trianon, ebenfalls die Opern Grétrys und Gossecs. Ein veritables Opernhaus hatte das Schloss erst 1770 bekommen, als man anlässlich der Hochzeit des späteren Ludwig XVI. mit Marie Antoinette das klassizistische Meisterwerk von Ange-Jacques Gabriel einweihte. Noch Ludwig XIV. war einst von einem Theaterbau durch die bigotte Madame de Maintenon abgehalten worden, die diese Gelder für die Schlosskirche umwidmete. Und nur knapp 30 Mal überhaupt wurde die meist als Ballhaus genutzte Oper bis 1789 mit Musiktheater bespielt.
Seit über 30 Jahren residiert nun vor Ort das Centre de Musique Baroque de Versailles im „Hôtel des Menus Plaisiers“. Kein Ort wäre passender: war hier doch das Hofamt für die Unterhaltung und die zeremonielle Ausgestaltung des Hofes. Der Musikbedarf während der rund 110 Jahre, in denen Versailles als kultureller Mittelpunkt Europas firmierte und in allen künstlerischen Bereichen universelle Trends kreierte, war immens. Diese Schätze macht man längst auch im boomenden Opernhaus, im Théâtre de la Reine und in der Kapelle wieder zugänglich. Vier bis fünf Millionen Euro Koproduktions-Etat mit französischen Theatern und den berühmten Barockorchestern hat Laurent Brunner, der die Veranstaltungsabteilung leitet, übrig. Das Geld kommt als Querfinanzierung aus den Feuerwerken in den Gärten, den Vermietungen der Orangerie usw.
Denn das Château de Versailles ist ein Erfolgsmodell, seit über 350 Jahren. Und beliebter, aber auch übervölkerter denn je. 18.000 Menschen stapfen täglich durch, im Park noch einmal sieben Millionen im Jahr. Heute nähern sich die Horden aber nicht mehr in revolutionärer Absicht. Sie wollen zum Erstaunen gebracht werden. Mit Jeff Koons neben der Bernini- Büste des großen Ludwig oder Murakami- Kitsch unterm Le Brun-Fresko. Und eben auch mit Opern und Konzerten für Kenner.
Und die werden verwöhnt. Mit Christophe Rousset und dem hier gern gesehenen John Eliot Gardiner, aber auch mit der jungen Interpretengeneration wie Sébastien Daucé oder Raphaël Pichon. Sehr exklusiv, mit Oper für nur 150 Besucher und Dinner im Theater der Königin, oder für 600 Zuschauende, etwa mit „Richard Coeur de Lion“ von Grétry; jener Oper, aus der die letzte Arie stammt, die hier zur Zeit des Absolutismus gesungen wurde. Heute kann man sie digitalisiert auf der neuen CDund DVD-Edition des Château de Versailles sogar mit nach Hause nehmen.


Opéra Royal de Versailles

www.chateauversailles-spectacles.fr
Tickets: +33 (01) 30 83 78 87


Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 1 / 2019



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