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Philippe Jaroussky (c) Josef Fischnaller

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Belcanto-Diva Diana Damrau empfindet den zweifachen Bandscheibenvorfall, der sie zuletzt außer Gefecht setzte, als Warnschuss des eigenen Körpers. Sie habe Symptome missachtet. „Ich hatte Schmerzen im Knie und im Rücken. Es war Raubbau an meinem Körper“, so Damrau in Zürich, wo sie lebt. „Ich glaube, dass ich meinen Kalender inzwischen wieder im Griff habe.“ Auch die Familie fordere ihren Tribut. „Die Buben sind jetzt in der 1. und 3. Klasse. Wir wollen, dass sie sesshafter werden.“ Also würden sie und ihr Ehemann, Bariton Nicolas Testé, sich mehr aufteilen müssen. „Wir lieben es, zusammen aufzutreten … Aber gemeinsame Engagements können auch leicht zu Missverständnissen führen, nach dem Motto: Die lassen sich nur im Package engagieren. Diesen Eindruck wollen wir auf keinen Fall aufkommen lassen.“
Dirigent Riccardo Muti hat sich mit den Streikenden des von ihm geleiteten Chicago Symphony Orchestra solidarisiert. Mitte März mussten Konzerte des Orchesters aufgrund eines Arbeitskampfes abgesagt werden. Der Fall, dass sich ein Dirigent in die Linie der Streikenden einreiht, gilt in Amerika als nie dagewesener.
Countertenor Philippe Jaroussky hat es satt, sich auf CD-Covern jünger zu machen, als er ist. „Schluss mit dem Make-up! Schluss mit Photoshop!“, so Jaroussky zuhause in Paris. Er sei inzwischen über 40. „Ich könnte morgen aufhören zu singen und wäre genauso glücklich.“ Seitdem er vor 20 Jahren seine Karriere begonnen habe, sei die Gesamtsituation stark verändert. Bis vor vier, fünf Jahren habe es einem Countertenor passieren können, dass im Publikum gelacht wurde wegen der hohen Stimme. „In Fernsehshows werde ich heute noch gefragt, ob ich ein Kastrat sei“, so Jaroussky. „Und wissen Sie was: Mich stört das kaum. Wir befremden immer noch, na und? Man muss sich auch nicht normaler machen, als man ist.“ Das einzige, was ihn störe, sei, wenn seine Stimme als weiblich beschrieben werde. „Stimmen von Countertenören sind hohe Männerstimmen“, so Jaroussky. Das sei ein Unterschied.
Sopranistin Anna Prohaska glaubt, dass man als Sängerin „leicht verderbbar ist“. Hätte sie, wie es ihr angeboten war, schon vor Jahren Lulu gesungen, es hätte „in einer Katastrophe geendet“, so Prohaska in Berlin. Singen sei nicht nur eine Frage der Technik, sondern der inneren Verfassung. „Ich arbeite wenig an meiner Klangfarbe, dafür mehr an meinem Charakter“. Sie meide Schmeichler und vermeintliche große Schwestern. „Eine schöne Stimme fängt im Kopf an. Nicht bei den Stimmbändern.“
Dirigent und Venezuela-Versteher Gustavo Dudamel konnte auf dem „Walk Of Fame“ in Hollywood einen eigenen Stern enthüllen. Den haben nicht einmal Herbert von Karajan, Leontyne Price oder Daniel Barenboim.
Opern-Regisseur Harry Kupfer (83) wohnt in Berlin bewusst direkt am ehemaligen Mauerstreifen. „Ich habe nie verstanden, wie man in Berlin leben kann, ohne in der Mitte Berlins wohnen zu wollen.“ Die ehemalige Grenze verlaufe direkt vor seiner jetzigen Haustür. „Vielleicht eine fixe Idee. Aber ich habe es gerne so.“ Mit dem Haus der Komischen Oper, dem er lange als Chefregisseur verbunden war, ist er inzwischen wieder versöhnt. Die Zeit seines Nachfolgers Andreas Homoki sei „eine große Enttäuschung“ für ihn gewesen. „Er hat das Haus leergespielt“, so Kupfer. An seinem alten Stammhaus zeigt er aktuell Händels Oper „Poros“.
Wer in den zurückliegenden, kalten März- Tagen sah, wie eine halbvermummte, frierende Gestalt in der Eingangs-Unterführung des Berliner Konzerthauses Werbezettel für ein Händel- Konzert von Simone Kermes verteilte, mochte sich fragen, wer sich dieser zugigen Aufgabe unterzieht? Antwort: Es war die Sopranistin selbst. Kermes, als Mitveranstalterin zugleich Unternehmerin, fasste ihr Engagement in den knappen, ratlos wirkenden Kommentar zusammen: „geil!“ Trotzdem vorbildlich.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 2 / 2019



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