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Yo-Yo Ma (c) Jason Bell

Café Imperial

Unser Stammgast im Wiener Musiker-Wohnzimmer

Ralph Benatzkys „Meine Schwester und ich“ verfügt über einen der schlimmsten Ohrwürmer der Operettengeschichte: „Mein Mädel ist nur eine Verkäuferin in einem Schuhgeschäft ...“ Wer’s einmal gehört hat: À la bonheur! Zur Wiener Volksoper passt die (ziemlich) Berliner Operette, weil man hier schon mit Benatzkys „Axel an der Himmelstür“ die wohl beste Inszenierung von Peter Lund im Programm hält. Eigentlich eine Screwball-Komödie, folgt „Meine Schwester und ich“ dem bewährten Muster zweier völlig zerstrittener Ehepartner, die am Ende wieder zusammenfinden. Regisseur (und Hausherr) Robert Meyer, der später die Heinz Erhardt- Rolle des Schuhhändlers übernehmen will, inszeniert eine Spur zu langsam; während etliche Einlagen, wie immer bei Benatzky, gute Dienste leisten, um die Chose anzukurbeln. Ironisch-schön, dass das Werk in Paris beginnt, aber erst in der Provinz (in Nancy) lustig wird. Nicht verpassen, wenn es nächste Saison wiederkommt!
Im Café Imperial, der Wiener Heißlauf-Station für den Festspielsommer, denken wir heute über Highlights nach. Und finden: In der Klassik sind die ganz großen Namen erstaunlich oft zuverlässig. Anna Netrebkos „Forza“-Leonora kürzlich in London oder Piotr Beczałas Bayreuther Lohengrin waren tatsächlich: große Klasse. Unzuverlässig wird‘s erst im Mittelfeld; wo dieses anfängt, ist die große Frage. Als sichere Bank würde ich bei den aktuellen Salzburger Festspielen nicht mal Peter Sellars’ „Idomeneo“ (mit Currentzis am Pult) durchgehen lassen (ab 27.7.). Noch viel weniger „Simon Boccanegra“ (mit Luca Salsi, ab 15.8.). Sondern nur die Wiederaufnahme der „Salome“ (mit der großartigen Asmik Grigorian, ab 25.8.). Beim neuen „Rigoletto“ in Bregenz hängt fast alles von Regisseur Philipp Stölzl ab (ab 17.7.). Durchweg hochbesetzt immerhin Broschis „Merope“ bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik (mit Anna Bonitatibus und Vivica Genaux, ab 7.8.). Das ist weit besser als Fux’ „Apollo e Dafne“ bei der Grazer Styriarte (ab 21.6.). Erstaunlich prominente Sänger bietet „Les contes d’Hoffmann“ in Klosterneuburg (Daniela Fally, u. a., ab 6.7.). Im Mörbischer „Land des Lächelns“ feiert Harald Serafin seine Rückkehr als Obereunuch (ab 11.7.). „Zigeunerliebe“ in Baden b. Wien verfügt mit Vincent Schirrmacher über einen exzellenten Operettentenor (ab 13.7.). Immer noch nicht genug?! „Die Zauberflöte“ bei „Oper im Steinbruch“ von St. Margarethen könnte wegen Max Simonischek als Papageno interessant werden (ab 10.7.). Eine Trouvaille bieten die Tiroler Festspiele Erl mit Braunfels’ bester Oper „Die Vögel“ (20., 27.7.).
Dass der Wiener Premieren-Alltag fast attraktiver ist, zeigt die neue „Frau ohne Schatten“ unter Christian Thielemann (mit Nina Stemme und als sensationeller Kaiserin: Camilla Nylund, ab 25.5.). Weniger vielversprechend der neue Wiener „Otello“ (mit Aleksandrs Antonenko, ab 20.6.). Ansonsten herrscht Ruhe vorm Festspielsturm. Im Musikverein spielt Yo-Yo Ma die sechs Bach- Suiten (28.5.). Mit Menahem Pressler und Paul Badura-Skoda geben zwei Alt-Granden Meisterkurse (1./2.6.). Mariss Jansons (30.5.-2.6.) und Zubin Mehta (14./16./17.6.) sorgen für Altmeisterlichkeit am Pult der Wiener Philharmoniker. Noch zwei Highlights: Philippe Herreweghe dirigiert die h-Moll-Messe (Musikverein, 18.6.). Und im Konzerthaus begleiten Frank Strobel und das RSO Wien Murnaus Stummfilm „Der letzte Mann“ (Originalmusik: Giuseppe Becce, mit Emil Jannings, 23.5.). Zum Saison-Abschluss schlägt Diana Krall doppelt auf (30.6./1.7.). Ober, zahlen!

RONDO Ausgabe 3 / 2019



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