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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

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am 04.12.2021



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(c) Monika Rittershaus

Scharmützel und Sponsoren

Salzburg (A), Osterfestspiele: Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“

Theater, ein Spiel. Theaterspiel. Nicht eben neu, gerade bei den „Meistersingern“, wo’s der Kunst gilt, wo es um Regeln, bürgerliche Werte, gesellschaftliche Ordnung geht. Hier aber, bei den Osterfestspielen Salzburg, da spielen sie Theater. Pikant höchstens, weil hinter den Kulissen auch gerade Theater um die Leitung gespielt wird.
Auf der Bühne ist es simpel. Weil Jens-Daniel Herzog seine Handlungsstrippen langsam spinnt. Da ist also der echte Nürnberger Opernintendant, der ein Wagner-Mittelalter, das immer schon ein utopisch verklärtes war, in die Dresdner Jetztzeit stellt. Aber auf eine der Semperoper nachgebaute Bühne. Nichts Radikales also auf dieser „All the world’s a stage“-Konstruktion. Der Prinzipal blättert in seinem Regiebuch, sein eilfertiger Assistent David dackelt hinterher, seine Magdalene (die bewährte Dresdenkraft Christa Mayer) im Schlepptau. Eben gab es eine schöne Szene mit Butzenscheibengotik und werktreuen Kostümen. Der rote Samtvorhang schließt sich. Die begeisterten Sponsoren des Meister-Förderkreises stoßen mit Sekt an. Eva (die dunkel klingende Jacquelyn Wagner) ist schon ihrem nassforsch von der Seite reindrängelnden Walther (Klaus Florian Vogt) versprochen.
Sachs gefällt’s. Er unterstützt Walter vor allem gegen den rechthaberischen Beckmesser. Es gibt schöne Analogien zwischen Wagners Komödie und der nun rotierenden Szene, die ein Intendantenbüro, Garderoben, eine Probebühne, als Bühnenarbeiter wuselnde Lehrbuben und dann eben doch eine Schuhmacherwerkstatt zeigt. Aber der echte Wahnsinn bleibt in der Thermoskanne. Denn zu einem Bühnenzauberer Prospero steigert sich der famos vernünftige Georg Zeppenfeld nie. Auch die Prügelfuge ist ein folgenloses Scharmützel zwischen David (der dunkel timbrierte Sebastian Kohlhepp) und Beckmesser (treffend in der Gestik: Adrian Eröd).
So wird der lange Wagner-Abend, je mehr er voranschreitet, desto stärker von der Musik getragen. Christian Thielemann kostet das aus, erzählt instrumental weitschweifig, mit fetten Generalpausen, dann wieder mit dem Silberstift strichelnd.

Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 3 / 2019



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