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Doktor Stradivari

Folge 37: Mahlers Quarten

„Einer unserer Spezialermittler wurde niedergeschlagen und verletzt“, sagte Hauptkommissar Reuter und sah Doktor Stradivari an. „Ich hoffe, dass Sie uns helfen können, den Täter zu fassen.“ „Hat der Fall denn etwas mit Musik zu tun?“, fragte der Doktor. „Es geht um einen Musiker der Utrecht Sinfonietta. Das Orchester ist gerade zu Gast in unserer Stadt.“ „Das Konzert ist heute Abend. Ich wollte auch hingehen. Sie spielen Mahlers Erste Sinfonie.“
„Leider machen die Musiker nicht nur schöne Musik. Einer von ihnen nutzt die Konzertreisen, um Drogen zu schmuggeln. Unser Fahnder war auf seiner Spur. Er muss den Täter in dessen Hotelzimmer ertappt haben, doch dann gab es eine Verfolgung und einen Kampf. Er wurde niedergeschlagen, und man fand ihn bewusstlos auf dem Hotelparkplatz. Er wird gerade operiert, und wir können ihn nicht befragen.“ „Sie wissen also nicht, wen er im Verdacht hatte?“ Reuter schüttelte den Kopf. „Er meldete, dass er in das Hotelzimmer gehen wollte. Dort hat er ein Foto gemacht, das automatisch auf den Polizeiserver geladen wurde.“ „Zeigt es den Täter?“ „Nein. Offenbar hat er die Kamera verrissen, als er den Täter aufnehmen wollte. Es sind nur Noten zu sehen, die wohl auf dem Tisch lagen. Ziemlich unscharf.“ Reuter holte das Bild auf den Computermonitor. „Ich dachte, man könnte herausfinden, welches Instrument der Täter spielt. Die Noten lagen ja in seinem Hotelzimmer. Es müssen also seine sein.“
Stradivari runzelte die Stirn. „Der Ausschnitt ist sehr klein. Es steht keine Instrumentenangabe da.“ „Immerhin habe ich den Bassschlüssel erkannt“, sagte Reuter und lächelte. „Durch unsere Zusammenarbeit habe ich ja einiges gelernt. Also spielt er wohl Cello oder Kontrabass. Vielleicht auch Fagott. Oder Posaune? Basstuba …?“ „Ist Ihnen aufgefallen, dass in dem Part immerzu zwei gleiche Noten wiederholt werden?“, fragte der Doktor. „Oh ja. Ich erkenne sogar, dass es sich um einen Quartsprung handelt. Bevor Sie kamen, habe ich etwas über die Sinfonie gelesen. Das Quartmotiv hat darin große Bedeutung. Alle Instrumente spielen es. Vielleicht gelingt es Ihnen, herausfinden, in welchem Part genau diese Noten stehen. Sie müssten die Partitur durchsehen.“ Er seufzte. „Leider haben wir dann immer noch ein Problem. Es gibt zu viele Cellisten und Kontrabassisten im Orchester, abgesehen von den Bläsern. Wir müssen den Täter aber eindeutig identifizieren. Die Musiker reisen heute Nacht weiter.“
Stradivari betrachtete die Noten genau. Die Quarten in Viertelnoten erinnerten an regelmäßige Pendelschläge. „Nicht nötig“, sagte er. „Wir können den Kreis der Verdächtigen auf zwei Personen eingrenzen. Das Konzert wird ohne den Täter nicht stattfinden können. Schade ...“
Was hat Doktor Stradivari herausgefunden?

Doktor Stradivari ermittelt – und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@rondomagazin.de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – bitte auch Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Unter allen Zuschriften verlost RONDO in Kooperation mit dem Label harmonia mundi fünf Mal Gustav Mahlers „Titan“, tondichterische Urfassung seiner ersten Sinfonie, mit dem Orchester Les Siècles unter François-Xavier Roth. Einsendeschluss ist der 16. August 2019. Viel Glück!


Auflösung aus Magazin 2/2019:

Die oft regional schon unterschiedlichen Stimmtonhöhen in barocker Musik sind ein beliebtes Streitthema zwischen Fachleuten – auch Schneckmann und Brimsel kommen sich darüber in die Haare. Wäre da der Fund einer historischen Stimmgabel nicht jedes Opfer wert – auch einen Mord? Doch Stradivari bleibt gelassen, denn die Stimmgabel wurde leider erst 1711 von einem Trompeter erfunden. Schneckmanns Wutausbruch war wohl weniger Eingeständnis seiner Ohnmacht als der Empörung über Brimsels dreiste Lüge – und der Mörder war wohl eher Moritz „Molli“ Leutsch.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 3 / 2019



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