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Seong-Jin Cho (c) Harald Hoffmann/DG

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Koloratursopranistin Albina Shagimuratova hält die Königin der Nacht für „schnell verdientes Geld“. – „Zwei Arien, und man ist schon fast fertig“, so die usbekische Sängerin in Chicago gegenüber der Zeitschrift „Oper!“. Sie habe hart an der Rolle gearbeitet, so Shagimuratova, „weil ich fürchtete sie zu verlieren, nachdem ich meine Tochter bekommen hatte“. Es seien „zumeist die hohen Töne, die als Erstes wegbleiben“. Nachdem sie die Rolle 2018 in Salzburg zuletzt singen wollte, denkt sie inzwischen über eine Verlängerung nach.
Der kanadische Opernregisseur Robert Carsen hat in Berlin den Uraufführungserfolg der Fontane-Oper „Oceane“ (Musik von Detlev Glanert) inszeniert, obwohl er über fast keine Fontane-Kenntnisse verfügt. „Ich habe ein bisschen im ‚Stechlin’ gelesen“, so Carsen im Vorfeld der Premiere. „Ich bin nicht weit gekommen.“ Er halte Fontane für eine Art „deutschen Henry James“. Wie man sieht, geht es auch ohne Vorbildung. Der Publikumstriumph der Uraufführung an der Deutschen Oper war erstaunlich.
Blockflötenvirtuose Maurice Steger glaubt, dass es – besonders bei Anfängern auf seinem Instrument – „zu viele dünne Leute“ gibt. Da die schmale Blockflöte ein eher „schmächtiges“ Klangprofil habe, müsse man versuchen, „durch unseren eigenen Körper den Resonanzkörper zu bilden“, so Steger gegenüber dem Magazin „Toccata“. Tue man das nicht in ausreichendem Maß, besteht die Gefahr, „dass es quietscht“. – Er selber habe schon darüber nachgedacht, zuzunehmen, um dem Ton mehr Resonanz zu geben. Er habe es aber auch irgendwie anders geschafft. „Ich habe, wenn Sie mich fragen, den fülligen Ton eines leicht übergewichtigen Menschen“, so Steger. Auf seinem neuen Album „Mr Handel’s Dinner“ spielt er Tafelmusiken des in späteren Jahren ziemlich fettleibigen Händel.
Der koreanische Pianist Seong-Jin Cho gibt in seiner Wahlheimat Berlin italienischen Restaurants gegenüber koreanischen den Vorzug. „Es ist viel leichter, in Berlin einen guten Italiener zu finden als anderswo“, so Cho. Zum Unterschied zwischen Koreanern und Asiaten meinte er: „Wir Koreaner sind vermutlich kontaktfreudiger als die Japaner, aber schüchterner als Chinesen. So dazwischen.“ Er selber sei als Kind sehr zurückhaltend und schweigsam gewesen. Erst am Klavier habe er das überwunden. Die Vorurteile gegenüber asiatischen Musikern seien übrigens unverändert: „Gute Technik, aber Mangel an Emotion und Fantasie, sagt man. Ich möchte nicht gern beweisen müssen, wie falsch das ist.“
Dmitri Tcherniakov, der russische Opern- Regisseur, bedauert es, seit zehn Jahren nicht mehr in Russland gearbeitet zu haben (obwohl er in Moskau lebt). Er fühle sich immer noch „wie ein kleiner Junge aus Osteuropa“, sagte er dem Berliner Stadtmagazin „Tip“. Leichter werde die Arbeit nie. „Ich fürchte immer, dass ich mich wiederhole und glaube, dass 99 Prozent dessen, was ich mache, totaler Mist sind.“ Auf die Frage, warum er von den zwei Angeboten, Wagners „Ring des Nibelungen“ zu inszenieren, nicht den Bayreuther Festspielen den Zuschlag gegeben habe, sondern Daniel Barenboim in Berlin, antwortete er: „Weil für Bayreuth, wo ich ein anderes Stück inszenieren werde, die Zeit nicht reichte.“ (Bei dem Werk, das er 2022 in Bayreuth inszenieren wird, handelt es sich um den „Fliegenden Holländer“.)
Von dem Dirigenten Zubin Mehta, der die Oper „Tosca“ schon mit der legendären Leontyne Price aufnahm, wurde sie als wahrscheinlich die Tosca seines Lebens bezeichnet: Violeta Urmana. Die litauische Sängerin dachte lange, „dass meine Stimme klein ist“. Jahrelang habe sie „unter diesem Komplex gelitten“, so Urmana. „In Litauen gab es viele Naturstimmen. Ich war keine.“ Inzwischen ist die Sängerin vom Sopran zum Mezzo-Sopran zurückgekehrt. In Hamburg debütiert sie als Klytämnestra.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 3 / 2019



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