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Viel vorgenommen: Laurence Cummings (c) Anton Säckl

Pasticcio

Ein Sachse in Niedersachsen

1920 war es in Göttingen ein gewisser Oskar Hagen, der mit Gattin und Freunden in den eigenen vier Wänden aus den vergilbten Opernpartituren Händels musizierte. Und weil man eben so schön im Barockschwung war, führte man in jenem Jahr zudem die Händel-Oper „Rodelinda“ öffentlich auf. Womit der Grundstein für die seitdem jährlich und längst auf top-professioneller Basis durchgeführten Festspiele zu Ehren des großen Barockmeisters gelegt war. Im kommenden Jahr feiert die Musikwelt nun nicht nur den 250. Geburtstag des Händel-Fans Beethoven, sondern auch das 100-jährige Jubiläum der Göttinger Händel-Festspiele. Bereits jetzt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. So will man tatsächlich alle 42 Opern des großen Sachsen präsentieren. Und selbstverständlich ist dann auch der Künstlerische Leiter, der englische Händel-Spezialist Laurence Cummings die treibende Kraft, bevor er dann den Staffelstab bzw. Taktstock an seinen Nachfolger, den griechischen Dirigenten George Petrou weitergeben wird.
Bis zu diesem Marathon hat Cummings aber auch bei der 99. Ausgabe alle Hände voll zu tun, die unter dem Motto „Magische Saiten“ gerade angelaufen ist und noch bis zum 26. Mai geht (www.haendel-festspiele.de). So leitet Cummings die Eröffnungsinszenierung der lange als verschollen gegoltenen Oper „Rodrigo“ (Regie: Walter Sutcliffe), bei der Sopranistin Erica Eloff die Titelpartie übernimmt. Zwischendurch greift der Chef dann anderweitig in die Vollen, soll heißen: in die Cembalo-Tasten, im Duo-Format mit der Blockflöten-Paganina Dorothee Oberlinger. Weitere Highlights der diesjährigen Festspiele sind die Konzerte mit Countertenor Christophe Dumaux, der Akademie für Alte Musik Berlin sowie mit dem Dieter Ilg-Jazztrio, das nach seinen erfolgreichen Re-Kreationen der Musik von Bach, Verdi und Wagner eben jetzt den Blue Notes in Händels Musik nachspürt.

Guido Fischer



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