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Südbahnhotel (c) Christine Khom/KSS

Kultur.Sommer.Semmering

Musikträumende Riesen

Am Semmering schließt ein Festival mit Pianist Florian Krumpöck die legendären Hotel-Paläste des Fin de siècle wieder auf.

Wie ein gestrandeter Wal, so liegt das legendäre Südbahnhotel auf dem Semmering. Es war Traumziel der gesamten Wiener Intelligenzia des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Ob Gustav Mahler, Sigmund Freud, Peter Altenberg oder Karl Kraus, alle haben hier geurlaubt. Entweder im seit 1976 geschlossenen Südbahnhotel, im Kurhaus oder, gleichfalls in Laufweite, im Grandhotel Panhans. Auch verrammelt. Ein Traumbezirk in luftiger Höhe, für den Erlösung naht, und zwar musikalisch. Seit 2015 betreut Pianist und Dirigent Florian Krumpöck das Festival „Kultur.Sommer. Semmering“ als Intendant. „All die Herrlichkeiten werden wieder zugänglich“, so Krumpöck.
Im nächsten Jahr will er sogar auf vier Spielstätten erweitern. Literarisch- musikalische Programme sind die Spezialität. Gerade waren Senta Berger, Angelika Kirchschlager und das Jánoška Ensemble da. Einige Schauspieler wechselten von den nahen Festspielen Reichenau herüber (z. B. Sona MacDonald und Hermann Beil). Maßgebend für alle: die Höhenluft der alpinen Pass-Lage. Und der leicht angegilbte Charme eines österreichischen Zauberbergs.
Krumpöck übernahm das Festival vor vier Jahren vom rührigen Kulturverein eines FPÖ-Abtrünnigen. Dass Krumpöck das Südbahnhotel selbst zum Zentrum machen konnte, darf als Coup gelten. Brandschutzauflagen hatten nämlich viele Jahre lang die Bespielung verhindert. Pläne des deutschen Besitzers, als Kuranstalt wieder aufzusperren, hatten sich schon vor vielen Jahren zerschlagen. AAnders als das Südbahnhotel sei das Kurhaus aber sowohl brand- als auch spekulationsgefährdet. Aufgrund geringer Denkmalschutzauflagen in Österreich gilt die gesamte Region als ideales Schwarzgeld-Depot ausländischer Firmen. (Schon Bad Gastein wurde so stillgelegt.) Wären nicht musikalische Initiativen wie diese, es gäbe wenig Hoffnung auf Leben.
Bekannt geworden als ehemaliger GMD von Rostock und Chefdirigent der Norddeutschen Philharmonie, tritt der geborener Bregenzer Krumpöck am Semmering auch als Pianist auf. Die Klavier-Karriere des 41-Jährigen schlug sich zuletzt in einem integralen Zyklus mit Schubert- Sonaten nieder (beim Label Quinton). Sämtliche Sinfonien von Mahler und Beethoven hat er auch schon dirigiert. An festen Stellen zeigt er sich weniger interessiert. „Ich dirigiere gern die Wiener Symphoniker, außerdem in Montpellier und an meinem Wohnort Liechtenstein“, so Krumpöck. Ein geborener Wander-Zampano, der auch die Politik in Niederösterreich gut auf seine Seite zu bringen versteht. Leute wie er werden gebraucht in solch illustren Randlagen.
Im Kurhaus immerhin erholten sich einst Erich Wolfgang Korngold und Alexander Zemlinsky. Schnitzler schrieb hier seinen „Professor Bernhardi“. Im Grandhotel Südbahn waren Adolf Loos, Kolo Moser, Gustav und Alma Mahler für ausgedehnte Urlaube zu Gast. Schließlich dauern die Ferien in Wien auch heute noch bis Ende August. Alle Welt flieht aus der stickigen Hauptstadt in Richtung Höhenluft. Und winters um Ski zu fahren. Wer hören will, wie die architektonischen Hochgebirgs-Juwelen heute wieder klingen, sollte planen. Nächstes Jahr von Juli bis September geht’s weiter.

www.kultursommer-semmering.at

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 4 / 2019



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