home

N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



Startseite · Klartext · Pasticcio

Paul Lovens @ Bernd Scholkemper

Pasticcio

Die Freiheit muss auch swingen

Im nächsten Jahr ist es hoffentlich soweit. Dann nämlich feiert eines der feinsten und zugleich unermüdlich querköpfigsten Altherren-Trios 50. Geburtstag. Gemeint ist das schon längst legendäre Alexander von Schlippenbach-Trio, das nicht nur über hochkomplexe Interaktionen Free-Jazz-Geschichte geschrieben hat. Der Namenspatron, der Berliner Pianist Schlippenbach, verstand mit dem englischen Saxofonisten Evan Parker sowie dem aus Aachen stammenden Schlagzeuger Paul Lovens immer auch das Modern Jazz-Erbe als Sprungbrett ins Hier und Jetzt. 50 Jahre sind natürlich eine lange Wegstrecke, die bei den Musikern so manche Spuren hinterlassen hat. Wie aktuell bei Paul Lovens, der gerade erst, am 6. Juni, seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. So musste er in den letzten Monaten immer wieder krankheitsbedingt die anberaumten Trio-Gigs absagen und seinen alten Kumpel Paul Lytton an die Drums lassen.
Wo aber auch immer der Jazz-Schlagzeug-Autodidakt sich gerade auf dem Weg der Besserung befunden haben mag – die schönste Medizin dürfte für ihn die Nachricht gewesen sein, dass ihm in diesem Jahr der renommierte Albert-Mangelsdorff-Preis verliehen wird. „Paul Lovens ist der Prototyp eines Improvisationsmusikers mit Erfindergeist, der Genregrenzen neu definiert und gerade im Team zu Hochform aufläuft“, so die mit u.a. Ulrike Haage und Alexander von Schlippenbach hochkarätig besetzte Jury. Und weiter heißt es: „Sein Schlagzeugspiel ist einzigartig. Er ist sehr wohl kraftvoll und virtuos, doch verkörpert er zugleich eine immense Freiheit im Spiel, die auch auf der Wahl seiner Klangmaterialien beruht. Er ist außerdem ein Virtuose des Ensemblespiels. Er ergreift die Initiative, wenn die Band mal nachlässt, gibt neue Impulse, wenn es vorhersagbar wird. Paul Lovens greift gekonnt Ideen auf und entwickelt sie auf seinem originellen Schlagzeugset weiter.“
Seit seinem 14. Lebensjahr tut Lovens im Grunde nichts anderes. Wobei er nach den ersten Versuchen im Pop-Segment nicht nur schnell im Jazz Fuß fasste. Lovens zählte auch dank seiner Projekte mit dem Globe Unity Orchestra und Cecil Taylor schnell zu den wichtigsten europäischen Improvisationsmusikern.
Jetzt also wird er für seine musikalischen Verdienste und Ideen mit einem Preis ausgezeichnet, den vor ihm solche junggebliebenen Altmeister wie Peter Brötzmann und Eberhard Weber erhalten haben. Und der Rahmen für die Preisverleihung ist dementsprechend stilecht gewählt: Sie findet am 3. November 2019 während des Jazzfest Berlin im Haus der Berliner Festspiele statt.

Reinhard Lemelle



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Da Capo

Opernhaus, Zürich (CH)

Klingt so noch ein Opernorchester? Das kracht, dröhnt und faucht. Tönen so noch Opernsänger? […]
zum Artikel

Da Capo

Salzburger Festspiele (A)

Ein peinlich spätes Debüt von Peter Konwitschny als Opernregisseur bei den Salzburger […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eigentlich plante Gustav Holst eine Pianistenkarriere, eine Nervenentzündung im rechten Arm zwang ihn jedoch dazu, sich umzuorientieren. So wandte er sich der Komposition zu und begann ein Kontrapunktstudium in Oxford. Sein Kollege Ralph Vaughan Williams hatte bereits zwei Jahre in London studiert und war anschließend nach Cambridge gegangen. 1895 trafen sich schließlich beide am Londoner Royal College of Music, daraus entstand eine der dauerhaftesten Freundschaften in der britischen […] mehr


Abo

Top